Gesunder Start ins Leben

Immunsystem bei jungen Pferden stärken

Ob Absetzen oder Trainingsbeginn – es gibt viele Meilensteine im Leben eines Pferdes, welche das Immunsystem der jungen American Quarter Horses herausfordern. Das Immunsystem kann so zur Schwachstelle werden, wodurch sich das Infektionsrisiko des Pferdes während dieser Phasen erhöht. Die auf Pferde spezialisierte Tierärztin Tina Wassing aus Ahaus weiß, was es für Pferdehalter dabei zu beachten gilt.
Ein intaktes Immunsystem ist der wichtigste Schutz für die Gesundheit unserer Pferde, da es Krankheitserreger und fremde oder für den Körper schädliche Substanzen abwehrt. „Da sich das Immunsystem besonders von Fohlen aber noch in der Entwicklung befindet, ist es in der Regel sehr anfällig für Infekte – es befindet sich sozusagen im Trainingslager und muss erst noch lernen, mit unterschiedlichen Eindringlingen fertig zu werden“, sagt Tina Wassing. Fohlen haben daher meist ein sehr reaktives Immunsystem: Es kann schnell zu Krankheitssymptomen kommen, diese verschwinden dann aber meist auch genauso rasch wieder. 

Erhöhter Infektionsdruck durch Gruppenhaltung 
„Sobald Fohlen in die Gruppenhaltung gehen, kommen sie über die anderen Tiere mit unterschiedlichen fremden Erregern in Kontakt, gegen die ihr Immunsystem noch keine Antikörper aufgebaut hat“, erklärt Tina Wassing den erhöhten Infektionsdruck nach dem Absetzen. Dadurch kann es wiederholt zu Infektionserkrankungen kommen. „Diese Situation ist vergleichbar mit den ersten Wochen und Monaten im Kindergarten – viele Kinder kommen in dieser Zeit gefühlt ständig mit neuen Infekten nach Hause“, erklärt die Tierärztin. Um das Immunsystem zu stärken und in eine optimale Reaktionslage zu bringen, empfiehlt es sich, die Abwehrkräfte schon vor dem Absetzen, aber auch in anderen Veränderungsphasen des Jungpferdes zu unterstützen. Neben pflanzlichen Ergänzungsfuttermitteln wie Echinacea können dabei auch Aminosäuren wie Lysin helfen. „Schon eine Woche vorher helfen biologische Tierarzneimittel mit Schwefel und weißer Schwalbenwurz, das Immunsystem wirksam zu unterstützen“, empfiehlt Tina Wassing. Ein großer Vorteil in der Absetzphase sei dabei auch, dass biologische Tierarzneimittel sowohl der bereits wieder tragenden Stute als auch dem noch saugenden Fohlen verabreicht werden können. 

Auch Stress beeinträchtigt die Abwehr
Durch das Absetzen, aber auch durch den Wechsel in einen Trainingsstall entsteht außerdem immer Stress für das Pferd, das sich in einer neuen Haltungsform, unter neuen Pferdekollegen und beim einsetzenden Training zurechtfinden muss. Dabei kann anhaltender Stress das Immunsystem und die Gesundheit empfindlich schwächen. „Durch eine vermehrte Ausschüttung des Hormons Gastrin, das die Magensäureproduktion anregt, erhöht sich bei länger andauerndem Stress das Risiko für eine Magenschleimhautentzündung oder ein Magengeschwür“, erläutert Tina Wassing. „Viele Pferde bekommen durch den Stress deshalb Probleme mit dem Magen, leiden an Kotwasser oder Durchfall.“ 
Darüber hinaus wird auch das Immunsystem durch anhaltenden Stress beeinträchtigt, da die Anzahl der Leukozyten im Blut abnimmt. „Da diese Zellen insbesondere für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind, nimmt die Infektanfälligkeit zu“, so Wassing. Auch wenn sich Stress nicht gänzlich vermeiden lässt, so helfen schonendes Absetzen der Fohlen und ein behutsamer Trainingsbeginn für die älteren Jungpferde sowie die Unterstützung durch homöopathische Mittel, weiß Wassing. „Zudem kann ein biologisches Tierarzneimittel mit Passionsblume und Hafer wirksam und auf natürliche Weise bei Stress unterstützen, da die Inhaltstoffe beruhigend wirken und einen positiven Einfluss auf die Stressverarbeitung haben.“

Text: Lisa Wölfel, vetepedia.de, Foto: Christina Albrecht-Hoschka