Saubere Bodenarbeit und vieles, vieles mehr!

Showmanship at Halter: Interview mit Franca Bartke

Franca – ganz vorneraus. Warum Showmanship? Was hat Dich bewogen, ein Buch ausgerechnet über eine Disziplin zu schreiben, bei der der Reiter gar nicht auf dem Pferd sitzt?

Franca Bartke: Showmanship hat mich gerade in meiner Zeit als Amateur viele Jahre begleitet und gehört definitiv mit zu meinen Lieblingsdisziplinen. In meinem Buch schreibe ich unter anderem darüber, wie ich mich und meine damalige Stute durch die Showmanship at Halter entwickeln konnte.
Daher war es zum einen eine persönliche Entscheidung, zum anderen denke ich, dass die Basis einer guten Zusammenarbeit von Mensch und Pferd am Boden beginnt. Die Arbeit am Boden ist eine Grundlage für gelungene Kommunikation. Ich hatte außerdem das Gefühl, dass es gerade in den letzten Jahren einen Hype um Showmanship in Europa und damit ein gesteigertes Interesse an dem Thema gibt. Zudem ist Showmanship at Halter eine Disziplin, die wirklich jedes Pferd lernen kann, unabhängig von der Rasse oder der Zuchtausrichtung, und die von vielen Vorstellern ausgeführt werden kann, ob jung, alt, Einsteiger oder erfahrener Showteilnehmer. Mir war wichtig, mit meinem ersten Buch eine breite Masse anzusprechen und nicht zu sehr in eine Nische zu geraten.

Was macht für Dich die Disziplin Showmanship so attraktiv?

Franca Bartke: Es gibt viele Gründe, die für Showmanship sprechen. Wie bereits erwähnt, kann jedes Pferd Showmanship lernen. Der Sport wird immer extremer, Leistungen verbessern sich, die Zucht ist auf Optimierung ausgelegt. In vielen Bereichen hilft uns eine gute Zucht, die ideale Grundlage für unseren Sportpartner Pferd zu haben. Diese Materialschlacht kann aber auch frustrierend sein. In einigen Disziplinen ist das deutlicher als in anderen. Es gibt definitiv auch Pferde, die sich in der Showmanship leichter tun als andere, jedoch kann hier viel über Training, Fleiß und Konstanz erreicht werden. Zudem ist Showmanship ideal für Turniereinsteiger, um sich vom Boden aus an die Showsituation zu gewöhnen – Mensch und Pferd gleichermaßen. Der Vorsteller lernt das korrekte Präsentieren eines Pferdes und wie man sich respektvoll im und außerhalb des Showrings verhält. Ein großes Plus ist außerdem, dass man nicht viel Ausrüstung benötigt. Gerade für das Training reichen ein Halfter und eine Führkette. In welche andere Disziplin im Pferdesport kann ich einfach mal so reinschnuppern, ohne dass ich diverse Ausrüstung benötige?

Leistet die Disziplin dafür Vorarbeit in Sachen Reiten, kann das Training mit Bodenarbeit verglichen werden?

Franca Bartke: Ja, Showmanship ist definitiv eine Form der Bodenarbeit. Die Disziplin dient dazu, die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd zu verbessern und hilft, einen respektvollen Umgang miteinander aufzubauen. Ein Pferd, das vom Boden aus gelernt hat, mit Druck richtig umzugehen, wird sich später leichter tun, sich gut auf den Druck beim Reiten einzulassen. Der Vorsteller lernt außerdem, die Sprache des Pferdes richtig zu lesen, kleine Hilfen zu geben und dem Pferd Zeit zu lassen, auf die gestellten Fragen die richtige Antwort zu finden.

Inwieweit profitiert das Pferd von dieser Disziplin?

Franca Bartke: Pferde sind Herdentiere und treffen nur ungern eigene Entscheidungen. Sie lassen sich gerne führen. Welch ein passendes Wort im Showmanship-Kontext! Ein Pferd, das einen Menschen als ranghöheres Tier anerkannt hat, kann sich in dessen Gegenwart entspannen und fühlt sich sicher. Dies hilft nicht nur in Alltagssituationen, sondern kann gerade in fremden Umgebungen und auf dem Turnier ein unglaublicher Sicherheitsanker für das Pferd sein. Somit kann das Pferd entspannt an das Turniergeschehen herangeführt werden. Auch in anderen Situationen, z. B. beim Schmied- oder Tierarztbesuch erspart es allen Beteiligten Stress, wenn das Pferd sich ordentlich führen und vortraben lässt. Außerdem wird in der Showmanship das Erscheinungsbild des Pferdes mitbewertet. Der Vorsteller ist also gezwungen, sich vorbildlich um sein Pferd zu kümmern: Futterzustand, gepflegtes Fell, regelmäßig behandelte Hufe. Alles Dinge, die am Ende dem Pferd zugutekommen. Für eine gute Wertnote in dieser Kategorie macht es gleich noch mehr Spaß, sein Pferd zu pflegen.

Was bringt diese Disziplin für den Reiter bzw. Vorsteller?

Franca Bartke: Der Vorsteller lernt seinen Partner Pferd vom Boden aus bereits kennen. Eventuell ist das Pferd noch zu jung, um geritten zu werden und Showmanship bietet eine gute Gelegenheit, erste Kontakte zu knüpfen oder das Vertrauen vom Boden aus aufzubauen. Der Mensch muss sich zwangsläufig auf sein Pferd einlassen, um persönliche Erfolge zu erzielen. Bei turnierinteressierten Personen ist die Showmanship ideal, um sich selbst im Showring weiterzuentwickeln. In fast keiner anderen Disziplin ist das Showen so wichtig wie in der Showmanship. Dies hilft oft nicht nur auf dem Turnier, sondern kann auch in Prüfungssituationen außerhalb des Turniersports die Angst nehmen und das Selbstbewusstsein nachhaltig stärken.

Passen Showmanship at Halter und gerittene Disziplinen für Dich zusammen oder sollten Showmanship-Pferde eher nicht in anderen Disziplinen – Halter mal außen vor gelassen – geshowt werden?

Franca Bartke: Showmanship und gerittene Klassen passen hervorragend zusammen. Viele Dinge, die man in der Showmanship lernt, kann man in anderen Disziplinen anwenden. Wie richte ich mein Pferd her, wie showe ich, wann muss ich mich an die Startpylone begeben? Mal abgesehen davon kann ich gerade jungen und sensiblen Pferden erst Sicherheit vom Boden aus geben und sie später am Tag in der gleichen Arena in einer Reitklasse showen. Da Showmanship fast immer die erste Klasse des Tages ist, muss sich der Vorsteller auch im Laufe des Tages keine Gedanken darüber machen, wie er sein Pferd wieder sauber bekommt.

Das Interview führte Friederike Fritz, Foto: Laura Sophie Photography