Seniorenteller

So kommt der Pferderentner gesund durch den Winter

Vor allem in der graslosen Jahreszeit bauen ältere Pferde oft massiv ab, sodass ihre Besitzer buchstäblich um jedes Gramm auf den Rippen kämpfen. Aber wann wird es Zeit für den pferdigen „Seniorenteller“, wie sollte das Futter beschaffen sein und was ist bei der Fütterung zu beachten?

Ab einem bestimmten Alter sollte das Futter seniorengerecht angepasst werden. „Wann das Futter umgestellt werden sollte, ist allerdings individuell sehr verschieden und in erster Linie vom Zahnstatus abhängig“, sagt die Futterexpertin Prof. Annette Zeyner vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zur Orientierung verweist sie darauf, dass das Zähneschieben bereits mit neun Jahren aufhört und die Abnutzung beginnt, die Zähne also mit zunehmendem Alter immer kürzer werden. Ab einem Alter von 17 bis 20 Jahren sollte man deshalb den Kauprozess genau beobachten und auf Anzeichen für eine eingeschränkte Kaufunktion wie sogenanntes Wickelkauen oder vermehrt unzureichend zerkleinerte Getreidekörner im Kot achten. Auch für Constanze Röhm, Pferdewissenschaftlerin und unabhängige Futterberaterin, steht und fällt die Futterverwertung mit der Qualität der Zähne. „Ist die schlecht, magern die Pferde sichtbar ab und verlieren an Muskelmasse. Stumpfes Fell, Huf- und Hautprobleme sind typische Mangelerscheinungen“.

Dem Mehrbedarf gerecht werden
Das Seniorenfutter muss also gut kaufähig, leicht verdaulich und nährstoffreich sein. Röhm rechnet beim Protein mit einer Steigerung von rund zehn Prozent, um dem Muskelabbau entgegenzuwirken. „Vor allem der Bedarf an den essentiellen Aminosäuren Lysin und Threonin scheint bei älteren Pferden oft nicht gedeckt zu sein“, ergänzt Prof.
Zeyner. Generell reduzieren sich beim alternden Pferd der Nährstoffumsatz, die Speicherfähigkeit von Mineralien und die Eigensynthese von Vitaminen. Das bedingt einen Mehrbedarf insgesamt, besonders aber der Spurenelemente Zink und Kupfer sowie der wasserlöslichen B-Vitaminen und Vitamin C, erklären beide Ernährungsexperten übereinstimmend. Für gewöhnlich steigt auch der Energiebedarf um zwanzig bis dreißig Prozent, weil betagte Pferde eher zu Untergewicht als zu Übergewicht neigen. „Selbst Pferde mit Equinem Metabolischen Syndrom magern im Alter meist bis auf einzelne Fettpolster ab“, weiß Röhm. Gleichzeitig stellt sie aber klar, dass auch dünne Pferdesenioren mit Stoffwechselerkrankungen wie EMS, PSSM oder Cushing strikt kohlenhydratarm ernährt werden und im Bedarfsfall alternative Energieträger zum Einsatz kommen müssen.
Ins Blaue hinein sollte man aber auf keinen Fall eine Futteranpassung vornehmen, denn „jedes Pferd hat seinen ganz individuellen Bedarf an Energie, Aminosäuren, Mineralstoffen und Vitaminen, der genau bestimmt werden muss“, mahnt Prof. Zeyner. Das sei auch beim alten Pferd nicht anders. Constanze Röhm empfiehlt, zweimal im Jahr, am besten zur Zeit der Winter- und Sommersonnenwende, also um den zwanzigsten Dezember bzw. Juni, eine Grundfuttermittelanalyse durchzuführen, das klinische Erscheinungsbild des alten Pferdes tierärztlich überprüfen sowie ein Blutbild anfertigen zu lassen. Nur dieser Dreiklang bringe Aufschluss über den individuellen Bedarf und eine eventuelle Futteranpassung…

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Text und Foto: Birgit van Damsen