Allez-Hopp! In den Sattel – aber wie?
Wissen to go: Aufsitzen
Die zahlreichen Westernfilme machen es vor: den linken Fuß in den linken Steigbügel, ein beherzter Griff ans Horn, hoch mit dem Allerwertesten, selbigen in die Sitzfläche plumpsen lassen und dann ab im Galopp – so sitzen richtige Cowboys auf, will man uns glauben machen! Sieht für Laien schneidig aus, doch der informierte Betrachter sorgt sich stellvertretend um empfindliche anatomische Regionen des Reiters und um den Pferderücken. So also geht es eher nicht – aber wie dann?
Fuß in den Steigbügel und rüber mit dem Bein!
Beim Aufsitzen wird über viele Reitweisen hinweg eine ähnliche Technik verfolgt: Ein Fuß kommt in den Steigbügel, die Hände erfassen unterschiedliche Fixpunkte, das Gewicht wird nahe am Pferd teils hochgezogen, teils durch leichtes Abstoßen in die Höhe katapultiert, das freie Bein über die Kruppe geschwungen, eingesessen, der zweite Steigbügel gesucht. Fertig! Mal gekonnt und lässig, mal ungelenk und stockend, aber irgendwie finden sich Sattel und Kehrseite. Abweichungen, Unterschiede zwischen den Reitweisen, aber auch individuelle Präferenzen sind es wert, einmal detailliert betrachtet zu werden. Wer hier an der eigenen Technik feilt und vielleicht alte Gewohnheiten ein wenig umstellt, schont das Pferd und arbeitet an der eigenen Gelenkigkeit.
Aufgesessen und abgesessen wird meist von bzw. nach links. Hier wurden Gewohnheiten der höfischen Reitkunst ebenso wie des Kavalleriereitens übernommen. Anno Tobak trug der Reiter eine Stichwaffe, und zwar als Rechtshänder eben an seiner linken Körperseite. Von rechts aufsitzend wäre ihm die Klinge störend ins Gemächt gefahren, was es zu vermeiden galt. Folglich saßen Ritter, die feinen Herrschaften und Soldaten von links auf und der Rest der Pferdefreunde hat es ihnen nachgemacht. Anderswo, in Gebieten ohne eine auf den Gepflogenheiten der Kavallerie aufbauende Reitkultur, gab es oft keine bevorzugte Seite für das Aufsitzen. Auf Island etwa saß man von rechts oder von links auf, wie es sich halt so ergab.
Viel spricht dafür, beim Auf- und Absitzen bewusst beide Seiten zu berücksichtigen: Die Pferde werden nicht einseitig belastet, der Reiter entwickelt für beide Bewegungsabläufe die notwendige Geschmeidigkeit und auch die Ausrüstung unterliegt keiner einseitigen Abnutzung. Bei stabilen Fendern mag dies keine große Rolle spielen, doch lässt sich auch für Westernsättel nicht ganz ausschließen, dass sich über die Zeit eine einseitig stärkere Belastung negativ auswirkt.
Aus „neben dem Pferd“ wird„auf dem Pferd“
Ein weiterer Faktor ist die in der Aufwärtsbewegung eingenommene Richtung. Oft lässt sich beobachten, dass….
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Text und Foto: Angelika Schmelzer
