Grundlagen einer gesunden Aufzucht

Absetzer, Jährlinge und Jungpferde

Die ersten Lebensjahre eines Pferdes entscheiden maßgeblich über seine spätere Gesundheit,
Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit. Vor allem die ersten drei Lebensjahre stellen höchste Anforderungen
an Haltung, Fütterung und Gesundheitsmanagement, um aus dem vielversprechenden Pferdekind
einen leistungsstarken, gesunden Partner heranzuziehen.

Moderne, pferdefreundliche Aufzuchtkonzepte verfolgen daher nicht das Ziel eines möglichst schnellen Wachstums, sondern einer gleichmäßigen Entwicklung von Knochen, Gelenken, Muskulatur und inneren Organen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sowohl Unterversorgung als auch Überversorgung problematisch sind. Vor allem die übermäßige Energieaufnahme bei gleichzeitig unausgewogener Mineralstoffversorgung gilt als wesentlicher Risikofaktor für Entwicklungsstörungen des Skeletts (Developmental Orthopaedic Disease, DOD), zu denen unter anderem Osteochondrose (OCD), Epiphysitis und Achsenfehlstellungen zählen.
Viele Pferdehalter verbinden gutes Wachstum mit einem möglichst großen und kräftigen Jungpferd. Tatsächlich zeigen wissenschaftliche Untersuchungen jedoch das Gegenteil. Nicht das schnelle Wachstum ist entscheidend, sondern die gleichmäßige Entwicklung mit zur Skelettentwicklung passenden Sehnen, Bändern und Knorpelgewebe. Schäden, die durch zu schnelles Wachstum entstehen können, zeigen sich erst später, wenn das Pferd gearbeitet wird und sind dann irreversibel.

Aufzucht als Gesamtkonzept
Eine artgerechte Haltung bei möglichst viel freier Bewegung ist für junge Pferde – vor allem Absetzer und Jährlinge – die wichtigste Voraussetzung dafür, dass sie physisch und mental gesund aufwachsen können. Auch wenn es für große Aufzuchtställe eine Herausforderung darstellt, ist eine individuelle bedarfsgerechte Fütterung die Grundlage für eine altersgemäße Entwicklung. Dass die Fütterung stets dem Entwicklungsstand des Pferdes angepasst werden, eine konsequente Gesundheitsvorsorge stattfinden und eine regelmäßige Kontrolle der körperlichen Entwicklung des Pferdes stattfinden muss, sollte jedem klar sein. Nur wenn alle Faktoren berücksichtigt werden, kann daraus das Gesamtkonzept Aufzucht werden. Viel Arbeit also für den Stallbetreiber, von dem häufig erwartet wird, die zukünftigen Champions bis zum Anreiten möglichst kostengünstig „aufzubewahren“.

Immer in Bewegung
Was bereits wenige Stunden nach der Geburt beginnt, bleibt dem Pferd lebenslang erhalten: sein natürliches Bewegungsverhalten, das geprägt ist von steter Bewegung über den ganzen Tag verteilt. Auch Fohlen, die in freier Wildbahn mit der Herde ziehen, sind davon nicht ausgenommen und legen täglich viele Kilometer zurück. Im Idealfall sollte uneingeschränkte freie Bewegung für alle unsere Pferde möglich sein – für junge Pferde jedoch ist sie essenziell.
Stete, moderate Bewegung stimuliert den Knochenstoffwechsel. Studien belegen, dass Fohlen mit täglichem Weidegang deutlich seltener an Entwicklungsstörungen des Bewegungsapparates leiden als Tiere aus überwiegender Stallhaltung. Deshalb sollte auch der Absetzer nach der Trennung von der Mutter auf großen Weiden oder Ausläufen aufwachsen. Toben mit Gleichaltrigen, verschiedene Bodenverhältnisse und eine stabile Herde sorgen für gesundes Wachstum, Trittfestigkeit und Balance sowie artgerechtes Sozialverhalten.

Pferde sind Herdentiere
Für ein gesundes Sozialverhalten, das auch dem Menschen später einiges bei der Ausbildung erleichtern kann, ist für junge Pferde der Kontakt mit anderen gleichaltrigen, aber auch älteren Pferden von Geburt an wichtig. Bereits im Alter von wenigen Wochen beginnen Fohlen spielerisch Rangordnungen auszubilden, wobei sie die pferdetypischen Verhaltensweisen und die Kommunikation untereinander entwickeln und trainieren. In einer homogenen Gruppe gehaltene Jungpferde sind nicht nur körperlich fit, sondern auch mental belastbar und „klar im Kopf“, während einzeln gehaltene Jungtiere häufig aufgrund des fehlenden Einflusses anderer Pferde Verhaltensauffälligkeiten zeigen und sich später beim Anreiten und unter dem Sattel oft als schwierige Partner erweisen.

Laufen und lernen
Nach dem Absetzen beginnt eine Phase intensiven Wachstums. In dieser Zeit entwickeln sich nicht nur das Skelett und alle anderen Strukturen des Bewegungsapparates weiter, sondern auch…

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Text: Friederike Fritz, Foto: Adrian Bozai