Das alte Pferd
Alles für ein langes, gesundes Seniorenleben
Die Lebenserwartung unserer Pferde steigt kontinuierlich. Dank moderner Tiermedizin, optimierter Fütterung und verbesserter Haltungsbedingungen tummeln sich heute zahlreiche Senioren zwischen 25 und 35 Jahren auf den Koppeln. Gezieltes Seniorenmanagement gehört zur modernen Pferdehaltung dazu. Schließlich ist Altern keine Krankheit, sondern ein natürlicher biologischer Prozess, der nahezu alle Organsysteme betrifft. Wer die altersbedingten Veränderungen erkennt und dementsprechend handelt, kann die Lebensqualität seines Vierbeiners bis ins hohe Alter erhalten.
Wann ein Pferd als Senior gilt, lässt sich nicht unbedingt an den gelebten Jahren festmachen. Entscheidend ist eher das biologische Alter, das von mehreren Faktoren abhängig ist: Genetik, Aufzucht, Nutzung, Haltung, Erkrankungen und Fütterung beeinflussen maßgeblich, wie und wann Alterungsprozesse einsetzen.
Mit den Jahren machen sich körperliche Zeichen des Alters jedoch immer deutlicher bemerkbar: Der Stoffwechsel arbeitet weniger effizient, die Muskelmasse nimmt ab, Gelenke verlieren an Elastizität und auch die Regenerationsfähigkeit des Organismus lässt nach. Gleichzeitig steigt die Anfälligkeit für Stoffwechselerkrankungen, Zahnprobleme oder chronische Entzündungen wie zum Beispiel Arthrose. Ein altes Pferd benötigt deshalb kein Mitleid – sondern ein angepasstes Management.
Bewegung ist die beste Medizin
Früher wurden ältere Pferde häufig von heute auf morgen in die Rente entlassen. Heute weiß man, dass gerade regelmäßige Bewegung wesentlich dazu beiträgt, Gelenke, Muskulatur und Stoffwechsel im Rahmen dessen, was möglich ist, gesund zu erhalten.
Optimal ist – wie bei jedem Pferd – eine Haltung mit möglichst viel freier Bewegung. Ob Offen-, Lauf- oder Bewegungsstall – trockene Liegenflächen, rutschfeste Böden, immer zugänglicher Witterungsschutz und gute Verfügbarkeit von Futter und Wasser ohne Konkurrenzdruck sind das A & O. Und natürlich eine gute Sozialstruktur, in der jeder Senior harmonisch seinen Platz einnehmen kann. Besondere Aufmerksamkeit verdienen rangniedrige Pferde, denn sie werden häufig von jüngeren Pferden verdrängt und nehmen dadurch weniger Futter auf.
Training – angepasst statt eingestellt
Ein weit verbreiteter Irrtum lautet, ältere Pferde müssten geschont werden. Leider verschlechtert wohlgemeintes Schonen häufig den Gesundheitszustand älterer Pferde. Auch wenn der alte Hase nicht mehr so leistungsfähig ist wie in jungen Jahren, so kommt angepasstes Training sowohl seinem Körper als auch seinem Kopf zugute. Dabei gilt, dass das Training regelmäßig stattfinden sollte, dabei aber auf Höchstleistungen verzichtet wird. Eine längere, lösende Aufwärmphase ist ebenso wichtig wie die langsame Steigerung der Belastung nach längeren Trainingspausen. Das Training sollte vielseitig sein mit Fokus darauf, die allgemeine Beweglichkeit und Kondition so lange wie möglich zu erhalten.
Leichtes Reiten in allen drei Gangarten (viel Schritt, ausreichend Trab und moderate Galoppaden) mit Tempowechseln und gymnastizierenden Übungen – gern auch mal Stangen- oder Cavalettiarbeit – halten das Pferd geschmeidig und ruhige Geländeritte sorgen für Abwechslung. Wenn das Pferd irgendwann nicht mehr geritten werden kann, genießt es Spaziergänge oder auch Bodenarbeit mit seinem Menschen.
Arthrose – ein häufiger Begleiter
Verschleißerscheinungen an den Gelenken gehören zu den häufigsten Diagnosen älterer Pferde. Sie äußern sich zunächst meist durch Taktunreinheit, verkürzte Schritte, steife Bewegungen, aber auch Schwierigkeiten beim Aufstehen und Ablegen sowie allgemeine Bewegungsunlust. Arthrose ist ganz klar eine Alterserscheinung, kann aber wie so vieles gut gemanagt werden. Moderne Arthrosetherapie beinhaltet neben einer angepassten Schmerztherapie und den Gelenkstoffwechsel unterstützenden Präparaten häufig gezielte Physiotherapie. Kontrollierte Bewegung statt Ruhe sowie strenges Gewichtsmanagement tragen ebenfalls dazu bei, ein Fortschreiten der Arthrose zu verhindern oder abzumildern.
Stoffwechselerkrankungen früh erkennen
Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko für hormonelle Erkrankungen. Das Equine Cushing Syndrom (PPID) zählt zu den …
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Text: Friederike Fritz
Zum Foto: Wichtig für alte Pferde ist der liebevolle Kontakt zu seinem Menschen. Foto: Natascha Korfanty
