Ein Fest für das American Quarter Horse und seine Fans
Europameisterschaft der AQHs 2026
Bei hochsommerlichen Temperaturen wurde vom 7. bis 16. August 2026 auf Gut Matheshof in Kreuth bereits zum 36. Mal die Europameisterschaft der American Quarter Horses ausgetragen. Zehn Tage stand die Ostbayernhalle ganz im Zeichen des AQH-Sports.
Genannt waren 323 Pferde mit Teilnehmern aus 15 Nationen, die um insgesamt 62 Europameistertitel kämpften. Dabei zeigte sich einmal mehr die ganze Vielfalt des American Quarter Horse – von hochklassigen Allround- und Ranchdisziplinen über Reining und englische Klassen bis hin zu Jungpferdeprüfungen.
Bewährter Auftakt und internationaler Besuch
Wie in den vergangenen Jahren bildeten am ersten Wochenende die Halterklassen und die Level 1-Prüfungen den Auftakt der Europameisterschaft. Zahlreiche Paid Warm-ups boten den Teilnehmern außerdem die Möglichkeit, sich unter Turnierbedingungen optimal auf die kommenden Prüfungen vorzubereiten.
Besonderen internationalen Besuch durfte die Europameisterschaft in diesem Jahr begrüßen. AQHA Chief Executive Officer Dave Dellin, AQHA First Vice President Lori Bucholz sowie AQHA Director of Competition and International Scott Neuman machten sich persönlich ein Bild von der Qualität und Entwicklung des europäischen AQH-Sports. Am eigenen AQHA-Stand wurden den Teilnehmern und Besuchern ein Papier- und Mitgliedschaftsservice angeboten.
Trail bleibt Publikumsmagnet
Deutlich zeigte sich die ungebrochene Attraktivität der Trail-Klassen. Sie gehörten auch 2026 zu den am stärksten besetzten Prüfungen. Einen bemerkenswerten Zuwachs verzeichnete insbesondere der Senior Trail: Nachdem 2025 noch 44 Pferde an den Start gegangen waren, kämpften in diesem Jahr bereits 67 Starter um den Europameistertitel.
Den Sieg und damit Gold sicherte sich die für Italien startende Christina Gruber mit Jet Settin Moonlite. Der 2017 geborene Wallach im Besitz von Emanuela Stefani überzeugte mit einem Score von 235,5. Neben zahlreichen weiteren Platzierungen holte sich das Paar auch Gold in der Senior Western Riding sowie die beiden DQHA Maturity-Titel in Western Riding und Western Pleasure.
Vizeeuropameisterin im Senior Trail wurde die Deutsche Franziska Dorfmeister mit Forever In Texas. Nur drei Punkte trennten sie von der Siegerin. Die 15-jährige Stute im Besitz von Arno Peter Dietzel bescherte ihrer Reiterin außerdem Silber in der Senior Western Riding. Nur einen Punkt dahinter folgte die Österreicherin Julia Wran-Schumer mit Certainly Southern (Besitzerin Edeltraud Drimmel). Gemeinsam mit seiner Besitzerin konnte er zudem Silber in der Western Pleasure Select Amateur gewinnen.
Hunter-Klassen im Aufwind
Eine erfreuliche Entwicklung war auch in den Hunter-Klassen zu beobachten. In der bereits am ersten Wochenende ausgetragenen Green Hunter Under Saddle gingen 23 Reiter an den Start. Franka Bartke und Suddenly Blue Moon sicherten sich hier nicht nur den Klassensieg, sondern wurden damit gleichzeitig die ersten Gewinner des neu eingeführten Circuit Champion Titels.
Auch die Vorläufe der Amateur und Open Hunter Under Saddle waren mit jeweils 20 Teilnehmerinnen stark besetzt. Besonders konstant präsentierte sich Stefanie Druffel mit ihrer erst sechsjährigen TFR Am IADreamOrNot. Nach starken Leistungen in den Vorläufen konnten die beiden ihre Form auch im Finale abrufen und sicherten sich Gold in der Hunt Seat Equitation Amateur. In der Hunter Under Saddle Futurity kam das Paar außerdem auf den zweiten Platz.
Silber ging an die Schweizerin Sophie Gillioz mit ihrem elfjährigen Wallach Its a Power Thing. Das erfolgreiche Duo konnte sich außerdem Silber in der Showmanship und Gold in der Western Horsemanship sichern.
Wie bereits 2025 erfreuten sich auch die Amateur Select-Klassen großer Beliebtheit. Besonders der Trail mit 32 Startern und die Western Horsemanship mit 23 Teilnehmern spiegelten dies wider. Im Trail setzte sich Gesa Meier-Bidmon mit ihrem Aint It The Blues-Nachkommen Its A Blue Honor durch. Silber ging an Rosanna Jakober aus Österreich mit KH Corona Kid, Bronze an Markus Pfeifer mit Fashionable Irons.
Auch in der Select Western Horsemanship blieb Gold in Deutschland: Andrea Giesecke gewann diese Klasse mit ihrem bereits 24-jährigen Wallach Funny Little BH.
Erfreulich entwickelten sich auch die Starterzahlen in den Reining-Klassen. Besonders die Senior Reining konnte mit 20 Nennungen ein starkes Teilnehmerfeld vorweisen. Frankreich durfte dabei gleich doppelt jubeln: Jeremy Vandenabeele sicherte sich sowohl in der Junior Reining als auch in der Senior Reining Gold. In der Junior Reining stellte er den vierjährigen GB SeventysevenGuns vor, in der Senior Reining TinselTownsSmartest.
Konstant blieben die Starterzahlen in den Jugendklassen – ein erfreuliches Zeichen für die Zukunft des europäischen Quarter Horse-Sports. Dabei wurden die Englisch-Disziplinen in diesem Jahr maßgeblich von Louisa Gerdes und ihrem TL Ride A Hot Harley geprägt. Das Paar gewann sowohl die Hunter Under Saddle als auch die Hunt Seat Equitation und holte damit gleich zweimal Gold für Deutschland. Nicht weniger erfolgreich präsentierte sich das bekannte Duo Zoe Kim Brey und Loves to Lope. In den regulären EM-Klassen sicherten sich die beiden Gold in der Western Horsemanship und Western Riding sowie Silber in der Hunt Seat Equitation. Mit ihrem zweiten Pferd VS Outlaw kam außerdem Gold in der Western Pleasure hinzu.
Dass die Europameisterschaft nicht nur den erfahrenen Reitern vorbehalten ist, zeigte die Lead Line-Klasse. Sieben junge Reiter nutzten die Gelegenheit, erste Turnierluft zu schnuppern und durften sich anschließend über schöne Sachpreise freuen.
NSBA Futurity: Matteo Toniolli erneut erfolgreich
Fester Bestandteil der EM ist inzwischen auch die NSBA Futurity. In diesem Jahr wurde erneut ein beachtliches Preisgeld von 12.475 Euro ausgeschüttet.
In der NSBA Pleasure Futurity konnte Matteo Toniolli mit A Good Krymsun Thing seinen Erfolg aus der DQHA Futurity wiederholen. Platz zwei ging an Mark Shaffer mit Whatever U Want, Bronze an Patricia Faust mit Vintage Blue Machine.
Im mit 15 Startern am stärksten besetzten Futurity Trail hatte Patricia Faust die Nase vorn. Mit Vintage Blue Machine verwies sie Nikol Pavlicova mit Girls Gut Codes sowie Marina Schwank mit MidnightBluez auf die Plätze zwei und drei.
Pleasure Celebration am Freitagabend
Am Freitagabend ritten acht Teilnehmer um ein Gesamtpreisgeld von 5.250 Euro sowie um eines der drei eigens angefertigten Buckles. In dem hochkarätigen Starterfeld konnten sich Mark Shaffer und Straitup For Certain an die Spitze setzen. Der 2022 geborene QH-Wallach steht im Besitz von Anna Omodeo. Auf Platz zwei ritt Julia Wran-Schumer auf der Stute Whatever U Want aus dem Besitz von Bianka Tengg aus Österreich. Den dritten Platz sicherten sich Patricia Faust und ihr Wallach Vintage Blue Machine.
Junge Pferde sammeln erste Turniererfahrung
Die EM bot auch 2026 wieder zahlreiche Möglichkeiten, junge Pferde altersgerecht an das Turniergeschehen heranzuführen. Eine besondere Rolle spielt dabei traditionell der Kumlegaard Cup.
In diesem Jahr konnte sich Alexandra Jagfeld mit Martinilicious den Gesamtsieg sichern. Die dreijährige The Best Martini-Tochter ist bereits seit ihrem Jährlingsalter in Alexandras Obhut und befindet sich seit Anfang des Jahres im Besitz von Anne Lison-Bunge.
Bereits 2025 konnte Alexandra mit der jungen Stute Erfolge in Trail in Hand und Longe Line feiern. Umso größer war die Freude darüber, dass sich das Nachwuchspferd nun auch auf der EM so überzeugend präsentierte – insbesondere, weil die Showmanship erst seit vier Wochen Bestandteil des Trainingsplans war. Wenn weiterhin alles passt, soll Martinilicious künftig auch unter dem Sattel auf den Turnierplätzen zu sehen sein.
Ranch Riding weiterhin mit viel Zulauf
Auch 2026 stand die Europameisterschaft deutlich im Zeichen der Ranch-Klassen. Mit den EC-Klassen, den IRHA-Prüfungen und der Ranch Riding Challenge gab es zahlreiche Möglichkeiten für Ranch-Begeisterte, ihr Können unter Beweis zu stellen.
Als echte Titelsammlerin erwies sich Asa Bergström aus Schweden mit ihrem 13-jährigen Wallach HustlersRaymondRazor. Gleich drei Goldmedaillen gingen an dieses erfolgreiche Duo: im Amateur Ranch Trail, in der Working Western Rail Amateur und im Open Ranch Trail. Dazu kamen Silber in der Open Working Western Rail sowie zwei dritte Plätze in den IRHA Non Pro Klassen Ranch Rail und Ranch Trail.
Auch Anita Pachatz konnte sich mit Jac Y Shades erfolgreich in die Platzierungen reiten. Mit der 2008 geborenen Stute gewann sie Gold im Ranch Trail Amateur und sicherte sich außerdem Bronze in der Ranch Riding Amateur sowie im Open Ranch Trail.
Ein weiterer Höhepunkt war die Ranch Riding Challenge. Die Starterzahlen konnten gegenüber dem Vorjahr erneut gesteigert werden. Am Freitagabend ritten 35 Teilnehmer um ein Preisgeld von 4.470 Euro in dem anspruchsvollen Parcours. Der Sieg ging nach Belgien: Jessy Goossens setzte sich mit dem sechsjährigen Hengst SV Sneak Preview an die Spitze. Platz zwei belegte die Dänin Natasha Jeberg mit Spooks Black Satin, Rang drei ging an Bianca Winderl mit KH Smokers Hot Play.
Eine Challenge für die „Englisch-Spezialisten“
Zum zweiten Mal wurde außerdem eine besondere Prüfung für die „Englisch-Spezialisten“ angeboten. Nachdem die Teilnehmer im vergangenen Jahr eine Kombination aus Patternaufgabe und Rail Work absolvieren mussten, wurde die Herausforderung diesmal um eine Conformation-Prüfung erweitert.
15 Teilnehmer waren genannt, neun gingen tatsächlich an den Start. Für das Publikum war vor allem die zeitlich begrenzte Umsattelaktion ein Highlight: Innerhalb kürzester Zeit mussten die Reiter vom Reitpferd auf die Halterprüfung umstellen.
In der Patternklasse gewann Franca Bartke mit Suddenly Blue Moon. Die Trophys in Rail Work und Conformation gingen an Julia Wran-Schumer mit Hes Got The Loperstuf. Damit sicherte sich das Duo gleichzeitig den Gesamtsieg. Initiiert und gesponsert wurde die außergewöhnliche Prüfung von Reim Quarter Horses.
Eine Arena ganz in Lila
Am Samstagabend wurde die Ostbayernhalle schließlich ganz in Lila getaucht. Anlass war die Glamourgirl Celebration, die Ines Grund anlässlich des zehnjährigen Showjubiläums ihrer Ausnahmestute Loves to Lope ins Leben gerufen hatte.
Nach einem feierlichen Videoauftakt gingen 37 Reiter in dem eigens kreierten Parcours an den Start. Die Prüfung bestand aus Elementen der Western Riding und des Trails und stellte damit besondere Anforderungen an Pferd und Reiter. Unter den aufmerksamen Augen der Richterinnen Alexandra Jagfeld und Sylvia Eigler lieferten sich die Teilnehmer einen spannenden Wettbewerb. Wie schon im Senior Trail waren die Plätze eins und zwei erneut fest in der Hand von Christina Gruber und Franziska Dorfmeister: Gruber gewann mit Jet Settin Moonlite vor Dorfmeister mit Forever In Texas. Platz drei ging an die Schweizer Amateurreiterin Lea Tanner mit Harley Invitation.
Gemeinsam feiern nach den Vorläufen
Neben dem sportlichen Geschehen kam auch das gesellschaftliche Miteinander nicht zu kurz. Zum Abschluss der Vorläufe fand die traditionelle EM-Party statt. Für musikalische Unterhaltung sorgte in diesem Jahr die Blues Yard Band rund um Claus Georgi, während das Freibier der Brauerei Gansbräu aus Neumarkt für die passende Erfrischung sorgte.
Die 36. Europameisterschaft der American Quarter Horses in Kreuth hat einmal mehr gezeigt, wie vielfältig sich der europäische Quarter Horse-Sport entwickelt. Steigende Starterzahlen und starke internationale Beteiligung, erfolgreiche Zuchtförderprogramme und zahlreiche zusätzliche Startmöglichkeiten machten die EM 2026 zu einem Turnier, das weit über die Vergabe der Europameistertitel hinausging – die zehn Tage in Kreuth boten Sport auf höchstem Niveau und zugleich viele persönliche Geschichten. Und vielleicht war genau das die größte Stärke dieser Europameisterschaft: Sie brachte Profis, Amateure, Nachwuchsreiter, Züchter und Pferdefreunde aus ganz Europa zusammen und zeigte eindrucksvoll, wie lebendig die Quarter Horse-Familie ist.
Text: Steffi Schweinesbein, Foto: Art & Light Photography
Alle Ergebnisse:
www.ecqh.eu
Videos zu den einzelnen Ritten:
www.horseshowvideo.de
