Die Ausbildung im Gelände
Ganz anders als auf dem Reitplatz
Viele Pferde bewegen sich auf dem Reitplatz kontrollierbar, rhythmisch und scheinbar ausbalanciert, wirken draußen jedoch plötzlich unkoordiniert, eilig oder körperlich unsicher. Es wird genau dort oft sichtbar, wie viel echte Eigenbalance und Körpergefühl tatsächlich vorhanden sind.
Gelände schafft – anders als der Reitplatz – keine gleichmäßigen Bedingungen, sondern das Pferd muss sich ständig wechselnden Untergründen anpassen, dabei kleine Gewichtsverlagerungen ausüben und sich auf neue Situationen einlassen. Der Körper des Pferdes muss dann unmittelbar reagieren.
Während auf ebenen Böden viele Bewegungen vorhersehbar werden, zwingt das Gelände Pferde dazu, sich immer wieder neu zu organisieren, den eigenen Körper anzupassen und Entscheidungen in der Bewegung zu treffen, wodurch Fähigkeiten entstehen, die sich nicht einfach über Wiederholung auf dem Platz entwickeln.
Gerade deshalb wirken Pferde draußen oft ehrlicher, weil dort weniger kompensiert werden kann und sichtbar wird, ob Balance wirklich aus dem Körper heraus entsteht oder hauptsächlich über äußere Kontrolle in einzelnen Manövern gehalten wird.
Unterschiedliche Böden verändern Bewegung
Ein fester Waldweg, weicher Waldboden, Schotter, Wiese oder leichter Matsch verändern jeweils unmittelbar die Art, wie ein Pferd seinen Körper benutzt, weil jeder Untergrund andere Anforderungen an Balance, Trittsicherheit und Koordination stellt.
Dadurch beginnt der Körper automatisch mitzudenken, nicht über Druck oder Korrektur, sondern über Wahrnehmung.
Genau dadurch entwickelt sich etwas, das man vereinfacht als Propriozeption beschreiben kann, also die Fähigkeit des Körpers, die eigene Bewegung, Position und Balance wahrzunehmen und entsprechend darauf zu reagieren. Dadurch lernen Pferde mit der Zeit, ihren Körper bewusster und koordinierter einzusetzen.
Praxistipp 1: Untergründe bewusst nutzen
Es ist deshalb sinnvoll, beim Ausreiten nicht immer denselben gleichmäßigen Boden zu wählen, sondern dem Pferd unterschiedliche Untergründe anzubieten, weil genau diese kleinen Veränderungen dazu führen, dass der Körper lernt, sich selbst besser zu organisieren und weil damit Bewegung nicht nur aus Gewohnheit entsteht.
Bergauf und bergab verändert mehr als Tempo
Besonders bergauf und bergab zeigt sich oft sehr deutlich, wie ein Pferd seinen Körper tatsächlich trägt, weil dort Balance nicht über Festhalten oder Gleichmäßigkeit ersetzt werden kann, sondern aus echter Koordination entstehen muss.
Bergauf beginnen viele Pferde, aktiver aus der Hinterhand zu arbeiten, während bergab sichtbar wird, ob sie sich ausbalancieren können oder beginnen, sich festzuhalten und auf die Vorhand zu fallen.
Gerade diese Bewegungen fördern das Körpergefühl auf eine Weise, die auf ebenem Boden oft gar nicht entsteht.
Praxistipp 2…
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Text: Manuela Berg, Foto: Michelle Leber
