Sommerzeit ist Weidezeit

Sommerhaltung auf der Weide

Die meisten Pferde stehen sommers stundenweise oder sogar rund um die Uhr auf der Weide. Die Sommerweide bietet den Pferden nicht nur Nahrung, sondern – und das ist eigentlich wichtiger – Auslauf und Sozialkontakt in einem art- und verhaltensgerechten Umfeld. Weidehaltung im Hochsommer birgt aber auch Risiken wie große Hitze, hoher Insektendruck und anhaltende Trockenheit. Hier ein breit angelegter Überblick zum Thema „Sommerzeit ist Weidezeit“.

Essenziell bei der Weidehaltung ist eine möglichst ausbruchsichere Einfriedung. Der Weidezaun erfüllt seine Hütefunktion aber nur, wenn er gut sichtbar, stabil, intakt und respekteinflößend ist (siehe dazu ausführlich QHJ 4/2026). Defekte oder unzureichende Zäune können gravierende Folgen haben, weil das Ausbruchs- und Verletzungsrisiko drastisch steigt. Lockere Planken oder Elektrozäune ohne Strom provozieren Weideausbrüche – hier ist eine hohe Verletzungsgefahr programmiert. Deshalb muss der Weidezaun während der gesamten Weidesaison regelmäßig auf Funktion und Sicherheit überprüft werden.

Beim Festzaun aus Holz werden die Planken kontinuierlich auf ihre Stabilität kontrolliert. Besonders gefährlich sind freiliegende Nägel oder Schrauben. Vor allem kleinere Stichwunden werden nicht selten zu spät bemerkt, können sich infizieren und zur Phlegmone entwickeln, eine fiebrige Unterhautentzündung mit starken Schwellungen, die landläufig auch als „Einschuss“ bezeichnet wird. Gravierende Konsequenzen können gelockerte Nägel, Krampen oder Schrauben haben. Wenn sie sich lösen und auf den Weideboden fallen, besteht die Gefahr von Nageltritten. Dringt der Fremdkörper bis in tiefe Regionen der Hufkapsel wie das Hufgelenk, die tiefe Beugesehne oder den Hufrollenschleimbeutel vor, kann es zu schwer behandelbaren Infektionen der betroffenen Strukturen kommen. Auch angenagte Hölzer sollte man zeitnah austauschen, damit sich die Pferde beim Scheuern keine Holzsplitter eintreiben, die Abszesse meist im Brustbereich zufolge haben. Zusätzliche Elektroreihen halten die Pferde auf Abstand und verhindern Gegenlehnen, Beknabbern und Scheuern.

Mit Abstand die meisten Ausbrüche und Zaunverletzungen werden durch ungenügend gespannte und stromlose Litzen, Seile und schmale Bänder verursacht. Im Falle eines Ausbruchs kommt es zu Schnittwunden in der Sprunggelenkbeuge, weil die Tiere die Flucht nach vorne antreten. Keilen sie mit den Vorderbeinen aus, etwa um an das Gras jenseits der Einfriedung zu gelangen, schneiden die Zaunmaterialen beim Zurückziehen in der Fesselbeuge ein. Schnittverletzungen an diesen Stellen der Gliedmaßen bedingen in der Regel eine lange Heilungsphase, da sie in der Bewegung unweigerlich auseinandergezogen werden und trotz Naht oder Klammerung immer wieder aufreißen können. 

Alle Leitermaterialien müssen deshalb immer straff gespannt sein, dann reißen sie beim Durchrennen eher als bei durchhängenden Schlingen. Das gilt auch und vor allem für Innenzäune, weil das geringere Platz- und Grasangebot die Pferde eher zum Ausbrechen veranlasst. Zudem müssen zerrissene Bänder, Seile oder Litze unbedingt umgehend mit entsprechenden Verbindern fachgerecht repariert werden. Provisorische Knoten sind tabu, weil hierdurch die feinen Leiterdrähte brechen.

Außerdem wichtig: Die Leistung des Weidezaungeräts muss an Zaunlänge und Randbewuchs angepasst sein und starker Bewuchs mit wuchernden Unkräutern wie Brennnesseln oder Ampfer sollte regelmäßig entfernt werden. Damit das Gerät seine volle Leistung erbringen kann, muss unbedingt die Erdung durch mindestens drei ein bis zwei Meter lange Erdstäbe ausreichend dimensioniert sein und die Erde in längeren Trockenphasen regelmäßig bewässert werden. Grundsätzlich sollten Elektrozäune täglich mit einem Strommessgerät überprüft werden oder an ein System angeschlossen sein, dass Spannungsabfall aufs Smartphone meldet. 

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Text: Birgit van Damsen