Insektenschutz: Individuell & angepasst

In den warmen Monaten sind Insekten keineswegs nur eine lästige Begleiterscheinung, sie können auch ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen. Ein durchdachtes Management und ein an das jeweilige Pferd und dessen Lebensbedingungen angepasster Schutz sind daher zentraler Bestandteil der Pferdehaltung – sowohl auf der Weide als auch im Stall.

Fliegen, Bremsen, Mücken und Kriebelmücken können Stress, Unruhe und Leistungsabfall verursachen. Darüber hinaus übertragen einige Insekten Krankheiten oder können als allergische Reaktion das Sommerekzem auslösen. Ziel eines guten Insektenschutz-Konzeptes ist es daher, die Belastung für das Pferd möglichst gering zu halten.

Repellents – chemischer Schutz mit Wirkung
Repellents gehören zu den am häufigsten eingesetzten Mitteln im Insektenschutz. Sie werden direkt auf das Pferd aufgetragen und wirken abschreckend auf Insekten. Moderne Produkte kombinieren oft verschiedene Wirkstoffe, um eine möglichst breite Schutzwirkung zu erzielen. Bei der Anwendung von Repellents kommt es nicht nur auf die Wirksamkeit, sondern vor allem auf die richtige und sichere Anwendung an. Fehler können die Schutzwirkung deutlich reduzieren oder sogar Hautprobleme verursachen. Repellents sollten immer gleichmäßig auf das Fell aufgetragen werden. Besonders wichtig sind dabei typische Angriffsstellen von Insekten wie Bauchnaht, Flanken, Hals und Beine. Im Kopfbereich sollte das Mittel nicht direkt gesprüht, sondern mit einem Tuch oder Schwamm aufgetragen werden, um Augen und Schleimhäute zu schützen.
Vor der ersten Anwendung empfiehlt es sich, das Repellent an einer kleinen Hautstelle zu testen. Gerade Pferde mit empfindlicher Haut können auf bestimmte Inhaltsstoffe reagieren. Treten Rötungen oder Juckreiz auf, sollte das Produkt nicht verwendet werden. Wichtig: Mittel mit natürlichen Inhaltsstoffen sind nicht automatisch besser verträglich – auch hier kann es zu Unverträglichkeiten kommen!
Die Dosierung gibt der Hersteller meist vor. Hier die empfohlenen Wiederholungsintervalle einzuhalten ist wichtig, da die Wirkung durch bestimmte Umstände (z. B. Regen oder starkes Schwitzen) nachlässt. Repellents wirken am besten im Zusammenspiel mit weiteren Maßnahmen wie zum Beispiel Ausreitdecken, im Stall und Paddock installierte Fliegenfallen und guter Stallhygiene.

Mechanischer Insektenschutz
Eine ebenso besonders wirksame wie schonende Maßnahme gegen den Insektenanflug ist der mechanische Insektenschutz: Masken, Fliegen-, Ausreit- und Ekzemerdecken schützen physisch und sind frei von chemischen Wirkstoffen. Besonders empfindliche Tiere, aber auch Pferde, bei denen aufgrund des Weideganges nicht mehrmals täglich nachbehandelt werden kann, profitieren von diesem Schutz. Allerdings müssen die Decken und Masken gut und sicher sitzen sowie regelmäßig kontrolliert werden.

Insektenabwehr im Stall
Nicht nur das Pferd selbst, sondern auch seine Umgebung sollte bei der Insektenabwehr berücksichtigt werden. Grundvoraussetzung ist eine gute Stallhygiene, bei der Mist und nasse Stellen in der Einstreu täglich, besser zweimal täglich entfernt werden. Im Stall und im Paddockbereich aufgehängte Insektenfallen helfen, die Fliegenpopulation deutlich zu dezimieren. Auch der Einsatz von Schlupfwespen hat sich bewährt. Diese nützlichen Insekten fressen die Fliegenlarven und unterbrechen so den Entwicklungszyklus der Plagegeister – eine nachhaltige und umweltfreundliche Lösung.

Hautpflege, wenn‘s juckt und sticht
Gerade bei Pferden mit sensibler Haut ist die richtige Pflege entscheidend. Spezielle Pflegemittel für empfindliche Haut, Stichverletzungen und Juckreiz beruhigen gereizte Hautpartien, fördern die Heilung und verhindern Scheuerstellen, die sich ansons-ten schnell entzünden und nässen können und in der Folge für noch stärkere Belästigung sorgen. Hautpflegende Inhaltsstoffe wie Aloe Vera, Panthenol oder Zink beschleunigen das Abheilen wunder Stellen und pflegen die Haut.

Futterzusätze zur Stärkung der Haut
Auch von innen lässt sich der Insektenschutz unterstützen. Eine gesunde Haut kann mit eventuellen Stichen besser umgehen und regeneriert sich danach schneller als eine trockene, schuppige oder bereits geschädigte. Futterzusätze zur Stärkung der Haut enthalten häufig Biotin, Zink, Omega-3-Fettsäuren oder Kräuter. Sie tragen dazu bei, die Hautbarriere zu stabilisieren und das Pferd weniger anfällig für äußere Reize zu machen.

Fazit
Ein effektiver Insektenschutz für Pferde basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz. Die Kombination aus Repellent, mechanischem Schutz, gezielter Stallhygiene mit Insektenfallen und Schlupfwespen sowie unterstützender Pflege und Fütterung sorgt dafür, dass Pferde entspannt und gesund durch die Insektensaison kommen.

Text: Friederike Fritz