Schlüssel zur Atemwegsgesundheit

Raufutter richtig aufbereiten, rationieren & ersetzen

Nachlassende Leistungsfähigkeit, Nasenausfluss, erschwerte Atmung und Husten werden beim Pferd häufig zunächst als vorübergehende Erscheinungen betrachtet. Vor allem bei wiederkehrenden Atemwegsproblemen sollten die Haltungs- und Fütterungsbedingungen als mögliche Auslöser oder Verstärker der Atemwegsprobleme unter die Lupe genommen werden.

Mit jeder Ration Raufutter kann ein Pferd große Mengen an Staub, Bakterien, Schimmelpilzbestandteilen und anderen organischen Partikeln aufnehmen. Diese gelangen beim Fressen zwangsläufig unmittelbar in die Atemwege.
Insbesondere die lungengängigen, sehr kleinen Partikel stellen ein Problem dar. Sie können tief in die Lunge gelangen und dort Entzündungsreaktionen auslösen oder verstärken. Equines Asthma, früher unter Begriffen wie „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“ (COPD) oder „Dämpfigkeit“ zusammengefasst, steht deshalb in engem Zusammenhang mit der Belastung durch Staub und organische Partikel. Die Reduktion von lungengängigem Staub gehört zu den wichtigsten Managementmaßnahmen bei betroffenen Pferden, wobei der Staub, der unmittelbar bei der Raufütterung entsteht, ganz klar im Vordergrund steht.

By the Way: Eine staubarme Fütterung ist allerdings nicht ausschließlich für bereits erkrankte Pferde relevant. Auch bei gesunden Vierbeinern muss es ein Anliegen sein, die Belastung der Atemwege möglichst gering zu halten. Das Ziel sollte deshalb nicht lediglich „staubfreies Heu“ sein, sondern ein insgesamt möglichst staubarmes Haltungssystem – von der Raufutterqualität über die Fütterungstechnik bis zur Einstreu und Stalllüftung.

Heu ist nicht gleich Heu
Die Qualität des Ausgangsmaterials entscheidet maßgeblich darüber, wie erfolgreich eine staubarme Fütterung umgesetzt werden kann. Hochwertiges Heu sollte trocken, hygienisch einwandfrei, frei von sichtbarem Schimmel und möglichst wenig staubend sein. Ein muffiger Geruch, feuchte Stellen, Verklumpungen oder sichtbare Pilzbeläge sind nicht nur Warnzeichen, dass es sich um minderwertige Qualität handelt, sondern Vorboten von Gesundheitsproblemen, ausgelöst durch die Fütterung.
Das Knifflige bei der Sache: Nicht jeder Staub, nicht jede Belastung ist mit bloßem Auge sichtbar und gerade die kleinsten Partikel sind für die Atemwege besonders gefährlich. Zudem zeigen Untersuchungen, dass nicht nur das Raufutter selbst, sondern auch Einstreu, Stallarbeiten (Kehren) und die Art der Fütterung die Konzentration lungengängiger Partikel in der Atemluft beeinflussen. Deshalb kann auch vermeintlich gutes Heu für ein empfindliches Pferd problematisch sein. Bei Pferden mit diagnostiziertem Equinem Asthma ist neben der Fütterung von absolut einwandfreiem Heu essenziell, die inhalative Gesamtbelastung konsequent zu reduzieren.

Nasses Heu: einfach, günstig – aber nicht optimal
Die klassische Methode zur Staubreduktion ist das Wässern beziehungsweise Einweichen. Dabei wird das Raufutter vollständig mit Wasser benetzt und anschließend verfüttert. Durch das Wasser werden Staubpartikel gebunden, sodass sie beim Fressen weniger leicht in die Atemluft gelangen.
Diese Methode kann Abhilfe schaffen, wenn kein Heubedampfer zur Verfügung steht. Allerdings hängt das Resultat unter anderem von Dauer, Wassermenge und Ausgangsqualität des Heus ab und durch das Einweichen kann ein Teil wasserlöslicher Nährstoffe verloren gehen. Was aber vielfach übersehen wird: Wird das feuchte Heu nicht unmittelbar nach dem Wässern oder Tauchen verfüttert, besteht ein erhöhtes Risiko für mikrobielle Veränderungen: Die Bakterien vermehren sich ungewollt und führen zu einer noch höheren Belastung.
Dass unzureichendes oder partielles Einweichen sowie zu lange Lagerung des nassen Heus vor der Fütterung die bakterielle Belastung des Heus erhöhen kann, belegen zahlreiche Studien.
Für den täglichen Einsatz ist gewässertes Heu daher zwar eine praktikable, aber organisatorisch anspruchsvolle Lösung. Besonders im Winter, bei größeren Pferdebeständen oder wenn Heu über längere Zeit bereitgestellt werden muss, stößt diese Methode schnell an Grenzen.

Bedampfen als ultimative Lösung?
Eine Alternative ist das Bedampfen des Heus. Dabei wird das Raufutter in einem geschlossenen Behälter über eine bestimmte Zeit mit heißem Wasserdampf behandelt. Ziel ist es, die…

Hier den kompletten Artikel weiterlesen…

Text: Friederike Fritz