Blue Valentine

Legenden der American Quarter Horse Zucht

Noch heute drehen sich Gespräche unter Ranchern, wenn es um Pferde geht, früher oder später um diesen oder jenen Hengst und die Nachzucht, die er hinterlassen hat.

„Gelegentlich taucht unter herausragenden American Quarter Horses ein Hengst auf, dessen Ruf und Können ihm einen eigenen Namen verschaffen; seine Nachzucht ist fortan unter dem Namen dieses Hengstes bekannt“, schrieb Bob Denhardt, einer der Hauptgründer und der erste Geschäftsführer der AQHA. Und damit sind wir bei Blue Valentine. 

Gezüchtet von Kenneth Gunter aus Cochise, Arizona, stammte Blue Valentine von Red Man ab, einem der besten Söhne von Joe Hancock. Das blueroan-farbene Hengstfohlen wurde 1956 geboren; seine Mutter war Beauty’s Dream, die Berichten zufolge ein Rennen auf der Sonoita County Fair gewonnen und bereits einige wirklich hervorragende Roping-Pferde hervorgebracht hatte. Beauty’s Dream war eine 1938 geborene Stute von Valentine, dessen Vater Lone Star sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits auf den Traveler-Sohn Little Joe zurückging. Lone Star war ein Sohn von Billy Sunday, dessen Mutter die berühmte Match-Racing-Stute Carrie Nation war – eine Tochter von Peter McCue.

Erfolgreich in den Rodeo-Disziplinen

Dell Haverty, der diese Pferde bestens kannte, kaufte „Blue“ als Jährling von seinem Freund Kenny Gunter. Dell, ein Rodeo-Champion und späteres Mitglied der National Cowboy Hall of Fame, bestritt zahlreiche Rodeo-Wettbewerbe auf Blue. 

Mit dem erst dreijährigen Blue gewann Dell beim Rodeo in Scottsdale, Arizona, sowohl den All-Around-Titel als auch die Disziplin Calf Roping. Während Dell weiterhin mit Blue Kälber fing (Calf Roping), Rinder zu Boden rang (Bulldogging) sowie im Team- und Einzelwettbewerb (Team Roping und Single Steer Roping) antrat, nahmen auch andere Familienmitglieder im Sattel des Hengstes Platz. Dells Ehefrau Connie ritt Blue bei einem Wettbewerb zur Wahl der Rodeo-Königin (Rodeo Queen) beim Ranch Days Rodeo in Wilcox, Arizona; die Tochter der Havertys, Kathy, die für ein Rodeo im Jahr 1968 dringend ein Barrel-Horse benötigte, sattelte kurzerhand Blue, absolvierte einige Trainingsläufe und belegte bei Blues allererstem Wettbewerb im „Kleeblatt-Parcours“ den dritten Platz.

Connie Haverty war die Tochter von Buster Hayes, der gemeinsam mit seinem Bruder Laurie unter dem Namen „Hayes Brothers“ eine Ranch in Thermopolis, Wyoming, betrieb. Da sie bereits den Joe Hancock-Hengst Texas Blue Bonnet besaßen, erwarben die Brüder von Dell eine Hälfte an Blue. Fortan ritt Dell den Hengst Blue bei Rodeos im frühen Winter in den südlichen Gefilden, bevor er ihn für die spätere Decksaison nach Wyoming wieder in den Norden schickte.

Hyde Merritt, ein Mitglied der „National Cowboy Hall of Fame“, der ebenfalls auf Blue Valentine Rinder fing, war mit Busters Tochter Dede verheiratet. Hyde erwarb Ende der 60er Jahre die verbleibende Hälfte der Anteile des Hengstes von Dell.

Ranchhorse at its best

Everett Shaw, der viele großartige Rodeo-Pferde ritt und mehrfacher Weltmeister war, fungierte bei den „Cheyenne Frontier Days“ als Flaggenrichter für die Rinderfang-Wettbewerbe und sagte zu Hyde, dass Blue in jenem Jahr das beste Rinderpferd in Cheyenne sei.

Wie schon sein Vater und sein Großvater glänzte auch Blue Valentine mit seinem einmaligen, sanftmütigen Charakter; im Umgang mit anderen Pferden verhielt er sich wie ein Wallach. Dells Kinder ließen sich, als sie etwa vier oder fünf Jahre alt waren, von Ästen herab direkt auf Blues Rücken fallen und ritten ihn ohne Sattel.

„Wir mochten die Hancock-Pferde sehr – ganz besonders die Nachkommen des alten Blue“, so Hyde Merritt in einem späten Interview im Jahre 1980. „Sie besitzen ein sanftes Gemüt … sie sind hervorragende Rinderpferde und verfügen über viel Speed.“

Neben seinem Wesen und Temperament vererbte Blue auch Schnelligkeit, ein kräftiges Fundament, Zähigkeit, Robustheit, Langlebigkeit und einen ausgeprägten Cow Sense – und zwar nicht nur an seine direkten Nachkommen, sondern auch an nachfolgende Generationen von lernwilligen und leicht auszubildenden Pferden.

Bewährte Nachzucht für Arena und Outdoor

„Diese Pferde bewähren sich überall dort, wo man sie einsetzt – sei es in diesem felsigen Gelände oder in der Arena“, sagte Hyde. „Wir müssen keines von ihnen beschlagen lassen … und wir haben niemals ein Pferd mit gesundheitlichen Mängeln. Ich glaube, das liegt an den harten, dunklen Hufen und an dem kräftigen Knochenbau, Eigenschaften, die Blue an seine Nachkommen weitergibt.“

Blue Valentine zeugte lediglich 210 registrierte American Quarter Horses, bevor er 1980 verstarb; dennoch hinterließ der Hengst ein Vermächtnis, das sich an herausragenden Stuten und Söhnen messen lässt – darunter der legendäre Gooseberry, Blues Kingfisher, Ruano Rojo, der mindestens drei Söhne zeugte, die jeweils Preisgelder von über 100.000 Dollar in der Arena gewannen, Salty Roan, ein erfolgreicher Gewinner auf der Rodeo-Tour und Vererber mit „Register of Merit“-Auszeichnung, Leo Hancock Hayes, ebenfalls ein „Register of Merit“-Vererber, der maßgeblichen Einfluss auf die Zuchtprogramme der Blue-Valentine-Blutlinie ausübte, Rowdy Blue Man, ein hoch angesehener Vererber in Texas sowie Enkel wie Blue Fox Hancock – ein AQHA-Champion mit 65 Halter-Punkten und mehr als 728 Performance-Punkten.

Von Ranchhorse zum Jahrhundert-Vererber

„Was das Vermächtnis von Blue Valentine angeht, hätte ich mir nie träumen lassen, dass es sich so entwickeln würde“, sagt Hydes Sohn Chip Merritt, der damit aufwuchs, morgens die Pferde mit dem Hengst zusammenzutreiben und ihn im Winter für die Rinderfütterung einzusetzen. Er nutzte das Pferd, um einen Schlitten mit Heuballen zu ziehen, wenn der Schnee zu tief lag, um mit Fahrzeugen hindurchzufahren. „Alles, was ich wusste, war, dass wir gute Fohlen von ihm bekamen und die Leute ihn mochten; aber ich hätte nie geglaubt, dass das Ganze derart durch die Decke gehen würde … Damals wussten wir alle einfach nur, dass er ein gutes Pferd war – und dass es eine gute Pferdelinie war, die man besitzen sollte. Heute sehen wir im ganzen Land so viele Blue-Valentine-Züchter, die diese Blutlinie mit Leib und Seele leben und dabei ihre ganz eigenen Wege mit ihr beschreiten.“

Genau darum geht es. Und genau deshalb ist Blue Valentine auch heute noch in aller Munde draußen im Ranch-Land, wenn das Gespräch auf Pferde kommt. Im Jahr 2024 wurde er in die American Quarter Horse Hall of Fame aufgenommen. Quelle & Foto: AQHA