Gut geschützt

Hautgesundheit & Fellwechsel 

Auch wenn der Fellwechsel und die Insekten noch auf sich warten lassen – Hautgesundheit und Fellwechsel sind bereits jetzt wichtige Themen für die Pferdehalter, auch und gerade, wenn die Pferde eingedeckt sind. 

Rund ums Jahr dient die Haut als Barriere gegen alle Einflüsse von außen. Zudem sorgt sie dafür, dass zahlreiche Stoffwechselprozesse einwandfrei ablaufen, die so wichtige Thermoregulation funktioniert, sie sondert kühlenden Schweiß ab, wenn der Organismus nach Kühlung verlangt. Sie schützt den Pferdekörper vor eindringenden Bakterien und Keimen, produziert haut- und fellschützenden Hauttalg, der zudem noch einen natürlichen Regenmantel bildet. Die Pigmente in der Haut schützen das Pferd vor schädlichen UV-Strahlen und auch bei der Bildung des für das Pferd so wichtigen Vitamin D mithilfe des Sonnenlichts ist die Haut maßgeblich beteiligt. 

Geht’s der Haut (und dem darüberliegenden Fell) gut, gilt dies als Zeichen für Gesundheit und Wohlbefinden.

Schichtbetrieb

Die Haut besteht aus drei Schichten: Die Epidermis (Oberhaut) dient in erster Linie als Schutzschild, ihre Zwischenschichten produzieren permanent Keratin und neue Zellen. In der mittleren Schicht, der Dermis (Lederhaut), befinden sich Bindegewebe, Nerven, Blutgefäße, Schweiß- und Talgdrüsen sowie Haarfollikel. Die Unterhaut (Subkutis) besteht hauptsächlich aus Fett- und Bindegewebe und dient als Isolation sowie Energiespeicher.

In der Dermis, der mittleren Schicht findet nun das statt, was uns Pferdebesitzer besonders interessiert: Hier wächst aus jedem Haarfollikel ein Haar – ein Kraftakt für den Stoffwechsel, besonders während des zweimal jährlich stattfindenden Fellwechsels.

Fellpflege = Hautpflege

Haut und Fell bilden eine Einheit, so dass alles, was mit und am Fell geschieht, auch Auswirkungen auf die Haut hat: Waschen, Putzen, aber auch Scheren, Eindecken oder ein dicker verkrusteter Winterpelz – alles bekommt die darunter liegende Haut 1:1 mit und reagiert meist auch entsprechend. 

Umgekehrt wird aber auch ein Schuh draus, denn wenn die Haut das Fell nicht ordentlich bilden kann und nicht ausreichend versorgt, wird es struppig, stumpf und häufig fallen auch zu Unzeiten Haare aus, so dass im schlimmsten Fall kahle Stellen entstehen. Auch Juckreiz ist ein Zeichen, dass die Haut nicht optimal arbeitet. Insofern lässt ein glänzendes, dichtes Haarkleid oder eben ein stumpfes, mattes recht gut auf den Allgemeinzustand des Pferdes schließen. Dabei sollte klar sein, dass auch die beste Pflege von außen und das teuerste Glanzspray nicht darüber hinwegtäuschen können, dass innen etwas nicht stimmt – meist sind es Nährstoffmängel, die Haut und Fell zusetzen.

Nährstoffbooster lange vor dem Fellwechsel

So macht es Sinn, das Pferd bereits Wochen vor dem Beginn des Fellwechsels durch geeignete Nährstoffe zu unterstützen. Futterzusätze für die Unterstützung von Haut und Fell enthalten vor allem Zink, Vitamine der B-Gruppe, Biotin, Kieselsäure, Mangan, Selen, aber auch Vitamin E und Schwefel. 

Schwefel kann für eine bessere Abwehr von Milben und Haarlingen sorgen – vor allem im Winter immer wieder eine lästige Plage im dichten Fell oder auch unter schlecht gepflegten Pferden und Decken. Dabei spielt nicht, wie häufig angenommen, der Geruch des Schwefels die tragende Rolle, sondern sein positiver Einfluss auf die Entgiftungsfunktion der Leber (siehe auch Dr. Weyrauch-Wiegand: Moderne Pferdefütterung, 2011, S. 86). 

Neben speziellen Futterzusätzen können auch Kieselerde, Bierhefe oder Leinöl durchgängig zugefüttert werden, um das Pferd bereits zeitig für den Fellwechsel zu unterstützen. Gerade im Winter wirkt sich dies auch positiv auf Mauke aus, die ja auch eine Erkrankung der Haut darstellt. Generell stärkt eine ausreichende Versorgung mit Zink die allgemeine Abwehrkraft und senkt nachweislich die Infektanfälligkeit. 

Tägliche Pflege

Gerade im Winter sollte man bei der täglichen Pflege des Pferdes umsichtig sein. Geschorene Pferde werden natürlich mit einer weichen Bürste verwöhnt – Striegel sind tabu, mit Ausnahme wirklich weicher Gummistriegel! 

Eingedeckte, aber ungeschorene Pferde, die deutlich weniger Winterfell entwickeln als nicht eingedeckte Vierbeiner, werden mit dem normalen Putzzeug gepflegt: mittelweiche Kardätsche und Gummistriegel. 

Für die Robusten, die mit langem, dichtem Winterfell gesegnet sind, braucht es schon kräftigere Borsten, um Schmutz, Staub und Mistflecken zu entfernen: Hier eignen sich Kardätschen mit festen Kokosborsten (im Handel häufig Schimmelbürsten genannt). Grobborstige Wurzelbürsten und Federstriegel sind perfekt, um angetrockneten Schlamm und groben Dreck aus dem dicken Fell zu entfernen.

Auf Waschen und damit verbunden Shampoo sollte man im Winter möglichst verzichten, und auch wenn die ganz frühe Frühlingssonne lockt: lieber noch ein wenig mit der Dusche warten, bis es warm genug ist, damit das Pferd sich nicht doch noch in den letzten Winterwochen eine Erkältung zuzieht.

Hättet Ihr es gewusst?

Beim Wälzen in feuchtem Sand oder Matsch fühlt sich ein Pferd pudelwohl in seiner Haut. Lästiger Juckreiz wird gelindert, Parasiten und lose Hautschuppen werden beseitigt und – das Beste – der Rücken optimal gelockert. Und wenn man beim ausgiebigen Wälzen und dem darauffolgenden Durchschütteln das Pferd wohlig grunzen hört, weiß man: Auch die Psyche kommt nicht zu kurz!

Eindecken erfordert Achtsamkeit

Wer glaubt „Decke drauf und gut ist“, wird spätestens im ersten Winter eines Besseren belehrt, denn die Haltung eines eingedeckten Pferdes ist alles andere als anspruchslos: Zunächst einmal müssen je nach Haltungsform mehrere gut sitzende Decken für verschiedene Temperaturbereiche angeschafft werden. Im Extremfall steht das Pferd mit einer Stalldecke (auch hier gibt’s verschiedene Füllungen, je nachdem, welche Temperaturen im Stall herrschen) in der Box und muss umgedeckt werden, wenn es auf den Paddock darf (da trägt es dann eine wetterfeste Paddockdecke – ebenfalls in verschiedenen Füllungen erhältlich). Geht es in die Führmaschine, wird eine Führmaschinendecke angezogen – nicht zwingend, aber zumindest, wenn die Führmaschine im Freien und/oder das Pferd geschoren ist. Nach dem Training unterm Sattel kommt die Abschwitzdecke drauf, bevor es wieder in die Box mit Stalldecke geht.

Weiterhin sollte man nicht dem Glauben aufsitzen, einmal eingedeckt müsse man das Pferd den ganzen Winter über nicht mehr putzen, da es ja so wunderbar sauber bleibt unter der Decke. Um die Haut und den Hautstoffwechsel gesund zu halten, muss auch das eingedeckte Pferd regelmäßig geputzt werden – weniger, um es von grobem Dreck zu befreien, als vielmehr um die Durchblutung anzuregen, abgestorbene Hautschuppen, Haare und Staub zu entfernen und das körpereigene Hautfett im Fell zu verteilen. Ein Trost: Das Pferd genießt die massierende Streicheleinheit und der Reiter macht sich schon mal warm.

Hygiene ist das A & O

Da Eindecken in natürliche Körperabläufe eingreift und die Hautoberfläche des Pferdes 24 Stunden am Tag unter der schützenden Schicht ihr Dasein fristet, ist es vor allem im Winter wichtig, dass benutztes Sattelzeug ausreichend durchtrocknet, bevor es wieder aufs Pferd gelegt wird. Klamme Pads und Sattelgurte, aber auch feuchte Kopfstücke und schmuddelige Decken begünstigen Pilzerkrankungen, die unter der dichten Winterdecke beste Bedingungen vorfinden. Alle Decken und Ausrüstungsgegenstände, die mit dem Pferd in Berührung kommen, werden deshalb regelmäßig auf Schimmel kontrolliert und gereinigt. Staub, Hautfett und Schweiß können mit der Zeit Pads und Decken stark verkleben, so dass kein Luftaustausch mehr stattfindet. Die Hautfunktion wird beeinträchtigt, Ekzeme, Scheuerstellen, Haarbruch, Pilzerkrankungen und andere Hautprobleme können die Folge sein.

Text: Friederike Fritz, Foto: Heike Klar