Vorsorge: Gut versichert, wenn das Pferd erkrankt

Alles wird teurer und nicht selten kommen auf uns Pferdehalter unvorhersehbare Kosten zu, die finanziell nicht eingeplant waren und unser Budget über die Maßen belasten. Alles wird teurer und wenn dann noch unerwartete Tierarztrechnungen bezahlt werden müssen, kann das geliebte Pferd selbst bei guter Kalkulation schnell zu finanziellen Engpässen führen. Da ist es hilfreich, wenn man gut versichert ist!

Ob OP-Versicherung oder gleich eine Pferde-Krankenversicherung, diese Versicherungen, die früher meist hochpreisigen Sport- oder Zuchtpferden vorbehalten waren, werden heutzutage für Pferde jedweder Rasse und Nutzung abgeschlossen. Schließlich möchte der verantwortungsvolle Pferdebesitzer nur das Beste für seinen geliebten Vierbeiner – und im Falle des Falles nicht durch hohe Klinikrechnungen finanziell in die Enge getrieben werden. 

Viele Pferdebesitzer gehen davon aus, dass sie durch den Abschluss einer Kranken- oder OP-Versicherung in jedem Fall 

finanziell abgesichert sind, was sich im Nachhinein häufig als Trugschluss herausstellt. Was nicht unbedingt am Versicherer liegt, sondern der Tatsache geschuldet ist, dass man sich schlichtweg vor Abschluss die Police nicht genau angeschaut hat. Die Folgen können dementsprechend teuer werden, weil dann trotz Versicherung hohe Tierarztkosten zu Buche schlagen. Aber ganz von vorn…

OP- und/oder Krankenversicherung

Geht es um die medizinische Versorgung des Pferdes, unterscheidet man zwischen diesen beiden Versicherungen. Und hier besteht bereits ein großer Unterschied nicht nur in Sachen Leistung, sondern natürlich auch hinsichtlich der Kosten.

Als Rundum-Schutz gilt – ähnlich wie bei uns Menschen – die Pferde-Krankenversicherung. Hier werden die Kosten für alle tierärztliche Behandlungen übernommen, auch Röntgen, Ultraschall und andere diagnostischen Verfahren sind inkludiert. Nicht bei jedem Anbieter sind dagegen anstehende Operationen im Tarif enthalten, hier sind häufig Kombi-Tarife im Angebot. Ebenfalls kann – wenn nicht bereits enthalten – die Krankenversicherung durch weitere Tarife wie Reha- oder gar Vorsorge- Maßnahmen (Wurmkuren, Impfungen) erweitert werden. Dass ein solches Versorgungspaket mit ab zirka 300 Euro seinen Preis hat, sollte jedem Pferdehalter einleuchten.

Wesentlich günstiger ist eine reine OP-Versicherung, die ab zirka 25 Euro monatlich zu haben ist. Auch eine reine Absicherung gegen das Risiko einer Kolik-OP ist möglich. Wie der Name bereits sagt, sichert diese Versicherung den Pferdehalter finanziell ab, wenn es um hohe OP-Rechnungen geht. Je nach Versicherer bzw. Vertrag werden auch die Kosten für die mit der OP verbundenen (Vor-)Untersuchungen, Unterbringungskosten und OP-Nachsorge übernommen – oder eben nicht. 

Genau hinschauen!

Bevor man sich für eine Versicherung entscheidet, empfiehlt es sich, ganz genau hinzuschauen, was wirklich vertraglich versichert ist. Auch wenn man glauben könnte, mit Abschluss einer Versicherung ein Rundum-Sorglos-Paket in Sachen Tierarztkosten erworben zu haben, ganz so ist es eben in der Realität doch nicht. Je nach Versicherer kommen die Policen mit bestimmten Einschränkungen daher und im schlimmsten Fall zahlt man doppelt. Je nach Versicherungsunternehmen gibt es zum Teil große Unterschiede, welche Kosten im Versicherungsfall übernommen werden. Es lohnt sich deshalb, genau hinzuschauen und vor allem das Kleingedruckte aufmerksam zu studieren.

Welche tierärztlichen/Klinik-Leistungen sind versichert und/oder welche OPs werden übernommen? So gibt es z. B. Tarife, die ausschließlich OPs unter Vollnarkose, nicht aber Standnarkose oder Sedierung übernehmen. Geht dies dem Pferdehalter durch, kann es trotz OP-Versicherung richtig teuer werden. 

Wird der Klinikaufenthalt in voller Länge oder nur auf eine bestimmte Anzahl von Tagen begrenzt übernommen? Wie sieht es mit der Übernahme von Medikamenten, Verbandsmaterial, Untersuchungen, bildgebende Verfahren (Röntgen, MRT, Ultraschall) vor und nach der OP sowie den tierärztlichen Leistungen nach der OP aus? Ist das Narkose-Risiko mitversichert und– im schlimmsten Fall – werden die Kosten für die Einschläferung übernommen? Wer trägt die Kosten für eventuell anstehende Folge-Therapien oder Reha-Maßnahmen?

Wieviel wird übernommen?

Ein weiterer „Hingucker“ sollte die tatsächliche Kostenerstattung sein, denn auch wenn das Pferd rundum kranken- oder ausreichend OP-versichert ist, werden häufig die Kosten nur bis zu einem bestimmten bzw. festgelegten Betrag (einfacher Satz der GOT zum Beispiel) übernommen. Wird’s teurer, weil der Tierarzt einen höheren Satz berechnet, muss der Pferdehalter für die Differenz aufkommen. 

Wer an Turnieren oder an anderen Veranstaltungen mit dem Pferd teilnimmt oder mit seinem Vierbeiner ins Ausland reist, sollte darauf achten, dass die Versicherung auch dann greift! 

Wer sparen möchte, kann sich für eine Police mit Selbstbeteiligung entscheiden, was die monatliche Prämie senkt. 

Wichtig: Genau hinschauen, ob die Selbstbeteiligung einmalig oder für jeden Versicherungsfall zu zahlen ist!

Ehrlich währt am längsten

Der Pferdebesitzer ist natürlich auch in der Pflicht, wenn es darum geht, den Antrag für die Versicherung sorgfältig und wahrheitsgemäß auszufüllen – gar nicht so einfach wie man denken mag. 

Es geht nicht nur um das Alter des Pferdes (je älter das Pferd bei Abschluss der Versicherung, desto teurer wird meist der Beitrag), sondern auch um Vorerkrankungen des Pferdes, die angegeben werden müssen. Diese sind nämlich bei vielen Versicherern vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. 

Übrigens: Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass der Versicherer im Falle eines Falles nicht dahinterkommt, denn auch Vorerkrankungen, die dem Pferdebesitzer noch nicht bekannt waren, deren Bestehen jedoch durch medizinische Befunde später belegt werden können, fallen aus dem Versicherungsschutz. Das Ausfüllen eines solchen Antrages ist also gar nicht so einfach, vor allem, wenn man sein neu erworbenes Pferd versichern möchte, dessen Vorgeschichte man häufig nicht bis ins Detail kennt.

Fazit

Ein möglichst breiter Versicherungsschutz in Sachen Gesundheit ist eine feine, aber auch kostspielige Sache, die wohl überlegt sein will. Man sollte sich als Pferdebesitzer bereits im Vorfeld Gedanken machen, welche Risiken unbedingt abgedeckt werden sollen und welche „verhandelbar“ sind. Lehnt man als Pferdebesitzer zum Beispiel eine Kolik-OP grundsätzlich – aus welchen Gründen auch immer – ab, so macht eine Versicherung, die (auch) das Kolik-Risiko abdeckt, wenig Sinn. 

Wer schon lange Pferde hält, kann überschlagen, welche Ausgaben für die tierärztliche Behandlung er in den letzten Jahren hatte und abwägen, ob es nicht vielleicht sinnvoller ist, einen Betrag X monatlich zur Seite zu legen. 

Wer dagegen mit einer Versicherung schlichtweg ruhiger schlafen kann, sollte sich für eine auf die Bedürfnisse seines Pferdes und seinen Geldbeutel abgestimmte Versicherung entscheiden. Beratung, das Einholen mehrerer Varianten und Angebote verschiedener Versicherer sowie ausführliche Information im Vorfeld machen die Entscheidung leichter und sicherer.

Schließlich sollte man sich darüber im  Klaren sein, dass die beste Versicherung kein Garant für ein gesundes Pferd ist und auch kein Freifahrtschein, den Tierarzt  häufiger als notwendig in den Stall zu rufen. Geschieht dies nämlich auf breiter Linie, steigen die Versicherungsbeiträge durch Beitragsanpassungen bald ins Unermessliche. Und damit ist weder den erkrankten Tieren noch ihren Besitzern geholfen.

Text: Friederike Fritz