Gymnastik muss sein!
Wissen to Go: Vorwärts-Seitwärts
Das Pferd bestmöglich fördern und dabei Freude am gemeinsamen Tun auf beiden Seiten des Sattels entwickeln, fördern und erhalten – ein Ziel, das Reiter eint! Über alle Grenzen von Lieblingsdisziplin und Trainingsmethode hinweg lassen sich dabei grundlegende Prinzipien und Leitlinien ausmachen. So gilt das Reiten vorwärts-abwärts – in die Oberlinie dehnende und die Unterlinie sowie die Rückhand aktivierende Haltung hinein – als unabdingbare Voraussetzung für jede weiterführende Arbeit. Zum Reiten in Dehnungshaltung tritt das Reiten vorwärts-seitwärts hinzu und macht den Anspruch auf gesundheitsförderliches und effektives Training perfekt.
Sportliches Training zielt darauf ab, körperliche Fähigkeiten zu verbessern. Dabei wird der Organismus mit Anforderungen konfrontiert, die über die aktuelle Leistungsfähigkeit hinausgehen, um so einen Anpassungsprozess in Gang zu setzen. Jeder gute Trainingsplan hält zudem Phasen der Erhaltung (Erhaltungstraining) oder gar der Rückführung (Abtraining) vor, zudem Erholungs- bzw. Regenerationsphasen.
Training kann universell angelegt sein und/oder Schwerpunkte, Spezialisierungen in den Fokus nehmen. Hinzu kommen unterschiedliche Ziele: Mal wird eher an der Ausdauer gearbeitet, dann wieder steht Krafttraining an, es wird gedehnt und gelockert oder es steht Beweglichkeitstraining auf dem Programm. Und genau in diese Kategorie „Beweglichkeitstraining“ fällt die Arbeit vorwärts-seitwärts. Zusammen mit vorwärts-abwärts lässt sich damit an gleich mehreren wichtigen Zielen arbeiten:
• Die beteiligte Muskulatur des Pferdes wird umfassend gedehnt, entspannt, aktiviert,
• die Gelenke erhöhen ihren Bewegungsumfang und
• diese umfangreicheren und ökonomischeren Bewegungen werden mit der Zeit im Bewegungsgedächtnis fest verankert und immer besser abrufbar und schließlich werden
• Wohlbefinden und Motivation des Pferdes durch die sorgfältige Strukturierung des Trainings und die damit einhergehende Abwechslung gestärkt.
Auf diesem Beweglichkeitstraining aufbauend kann dann wiederum mit mehr Erfolg etwa an Kraft und Ausdauer gearbeitet werden, weil der Trage- und Bewegungsapparat besser arbeitet.
Auch der Reiter profitiert, weil Sitz und Einwirkung im Vorwärts-Seitwärts sehr flexibel gestaltet werden müssen. So kann das Reiten vorwärts-abwärts durch entlastende Sitzformen unterstützt werden, während beim vorwärts-seitwärts der Reiter zwar bitteschön weiter im Gleichgewicht sitzt, nun aber rechte und linke Körperhälfte vermehrt unabhängig voneinander agieren müssen, damit die Übung gelingt. Durch die Kombination von mal parallel-symmetrischem Einwirken im Vorwärts und mal asymmetrischem Einwirken im Seitwärts bzw. Vorwärts-Seitwärts wird das Gefühl und Verständnis dessen gestärkt, was in der „Englischreiterei“ so ungemein zutreffend als „Konzert der Hilfen“ bezeichnet wird.
Als „asymmetrisch“ könnte man Sitz und Einwirkung bezeichnen, weil im Vorwärts-Seitwärts rechts anders agiert als links, während beim einfachen Reiten geradeaus rechte und linke Körperhälfte weitgehend dasselbe tun. Die fehlende Parallelität zeigt sich auch, vergleicht man die Hufspuren im Vorwärts oder Vorwärts-Abwärts mit den Hufabdrücken, die unser Pferd beim Vorwärts-Seitwärts im Sand hinterlässt. Geht es schlicht vorwärts, lassen sich zwei gerade, parallele Linien verfolgen, wie die beiden Schienen eines Zuggleises. Geht das Pferd aber vorwärts-seitwärts, wird diese Symmetrie aufgebrochen.
Was genau ist „vorwärts-seitwärts“?
Manchmal werden unter vorwärts-seitwärts nur die Seitengänge verstanden, doch der Sinn erschließt sich besser, wenn…
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Text & Foto: Angelika Schmelzer
