Gelassenheit beim Pferd
Desensibilisierung vs. Habituation
Wenn man sich mit mentaler Stärke beim Pferd beschäftigt, kommt man an einem Thema nicht vorbei: der Gewöhnung an Reize. Ob flatternde Plane, raschelnde Jacke, klappernde Gießkanne oder vorbeifahrender Traktor – das Pferd soll lernen: „Das ist nicht gefährlich. Ich kann ruhig bleiben.“ Tommy Freundlich, erfahrener Trainer und QHJ-Autor, erläutert im folgenden Beitrag den Weg zum gelassenen Pferd.
Der Weg dorthin ist entscheidend, denn nicht jede Methode, die das Pferd scheinbar ruhigstellt, ist auch wirklich pferdefreundlich – und schon gar nicht nachhaltig. Oft werden zwei Begriffe verwechselt oder unkritisch in einen Topf geworfen: Desensibilisierung und Habituation. Beide zielen auf Gelassenheit ab – aber sie sind grundverschieden.
Was bedeutet Desensibilisierung?
Desensibilisierung ist ein aktiver Trainingsprozess. Das Pferd wird bewusst mit einem Reiz konfrontiert – z. B. einem Regenschirm, einem Flatterband oder einer Plane – und lernt in kleinen Schritten, dass dieser Reiz keine Gefahr bedeutet.
Das Besondere: Bei guter Desensibilisierung wird der Reiz so dosiert, dass das Pferd zwar aufmerksam, aber nicht überfordert ist. Es darf schauen, darf zögern, darf atmen – und wird vom Menschen dabei emotional begleitet.
Wenn das Pferd sich nach einem kurzen Moment der Spannung sichtbar entspannt – also z. B. den Kopf senkt, schnaubt, die Augen weicher werden –, wird der Reiz entfernt oder verändert, die Situation pausiert oder belohnt. Dadurch entsteht eine positive Verknüpfung: Reiz + Sicherheit + eigene Verarbeitung = Vertrauen in die Situation.
Habituation –„sich dran gewöhnen“
Habituation ist hingegen ein passiver Lernprozess. Das Pferd wird wiederholt mit…
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Text: Tommy Freundlich, Foto: Mirjam Michels/Miripix
