Hufschlagfiguren: Training mit Mehrwert

Wer aus dem „Englischreiten“ kommt, ist mit den Hufschlagfiguren bestens vertraut. Klingt dröge? Keinesfalls! Viel spricht sogar dafür, auch unter Westernreitern nicht nur die Bahnregeln, sondern auch die Hufschlagfiguren in der Praxis umzusetzen – aber warum eigentlich? Wir erklären, was man darunter versteht und warum dies kein alter Zopf, sondern eine echte Hilfe für Reiter und Pferd ist.

Bahnregeln und Hufschlagfiguren bilden zusammen die Bahnordnung – sie regulieren das Miteinander in der Reitbahn. Hufschlagfiguren ergänzen die Bahnregeln sinnvoll: Unter diesem Begriff wird eine Vielzahl an standardisierten Linienführungen verstanden, die im „Englischreiten“ sowohl beim Abteilungsreiten wie auch im freien Training das Reiten strukturieren. Bekannte Bahnfiguren sind etwa „ganze Bahn“ (da geht es immer außen entlang), „Zirkel“ (kennen wir Westernreiter auch) oder Volten und Schlangenlinien verschiedenster Art. Entlang dieser Linien, die sich oft auch an den bekannten Bahnpunkten orientieren, werden Lektionen in unterschiedlichen Gangarten durchgeführt und alles zusammen ergibt dann den eigentlichen Inhalt einer Trainingseinheit.
Während Bahnregeln reitweisenübergreifend Anwendung finden, sind die typischen Lektionen in Verbindung mit der Linienführung je nach Reitweise unterschiedlich. In der Schnittmenge finden sich beispielsweise die Grundgangarten, das Reiten Ganze Bahn oder Zirkel, Anhalten oder Rückwärtsrichten. Klar ist: Es wird eben nicht irgendwie kreuz und quer geritten, und das ist gut so.

Rittigkeit verbessern
Beim Training geht es immer auch um die Verbesserung der Rittigkeit des Pferdes – um dessen Willen und Können, Anweisungen des Reiters sofort, geschmeidig, vollständig durchzuführen. Trainiert im Sinne von „verbessert“ werden immer verschiedene Aspekte der Performance, Training geht deshalb über rein körperliche Fähigkeiten weit hinaus. Warum dies in Verbindung mit Bahnregeln und Hufschlagfiguren noch besser erarbeitet werden kann, lässt sich an einem einfachen Beispiel erklären, etwa am Wechsel vom Trot in den Walk. Es ist ein großer Unterschied zwischen einem „irgendwann demnächst könnten wird mal in den Walk wechseln“ und einem „wir müssen spätestens da vorne in den Walk wechseln, damit wir dem entgegenkommenden Reiter, der Vorfahrt hat, auch rechtzeitig ausweichen können“ oder gar einem „ich wechsele genau an Punkt A in den Walk“. Wo ein gewisses Maß an Präzision Teil des Trainings ist, werden Trainingsinhalte immer mehr auf den Punkt geritten – das Pferd zum „Zuhören“, zu Durchlässigkeit, zu Rittigkeit trainiert.
Zudem hilft dem Reiter eine quasi eingebaute Fehlermeldung weiter – er wird beispielsweise sofort selbst erkennen, ob der Gangartenwechsel am Punkt A auch gelungen ist oder nicht, ob das Pferd etwa seine Hilfe vorweggenommen oder erst mit großer Verzögerung darauf reagiert hat. Diese „Rückmeldungen des Systems“ sind extrem hilfreich, insbesondere dann, wenn Reiter immer oder überwiegend ohne Trainer arbeiten. Zirkellinien oder Ecken sauber ausreiten, bei der Begegnung auf den zweiten Hufschlag ausweichen, immer wieder auch längere Zeit auf dem zweiten oder dritten Hufschlag reiten, Manöver/Lektionen an Bahnpunkten orientieren, viele Begegnungen von aufeinander zu gehenden Pferden managen, auch mal sauber und ohne großen Einsatz von Signalen langsamer werden oder anhalten, wenn doch eine Kollision droht – der Reiter lernt fast nebenbei, mit Übersicht, planvoll, mit sauberer Linienführung zu arbeiten und damit insgesamt präziser einzuwirken.
Dabei spielt es (solange man alleine reitet!) im Grunde überhaupt keine Rolle, welche Art von Linien man als Richtschnur des eigenen Tuns nutzt: Ob die klassischen Hufschlagfiguren, Manöver aus dem Westernreiten oder eigene Kreationen – wichtig ist es, die selbstgestellte Aufgabe (bestehend aus Gangart, Übung und Linie) so präzise wie möglich zu reiten und an der Vorgabe zu messen. Beim gemeinsamen Reiten allerdings sollte man sich einig sein, damit es nicht zum Chaos kommt.

Gutes Reiten – ganz einfach
Dabei muss man nicht allzu hoch greifen – nicht wenige erfahrene Reiter etwa schaffen es kaum, eine Ecke (= eine Viertelvolte) sauber zu durchreiten. Was oft vergessen wird: Hinter all den Hufschlagfiguren und Pattern steckt ein tieferer Sinn, ein…

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Text & Foto: Angelika Schmelzer