Therapie & Training haben ein gemeinsames Ziel

Biotensegrales Training: Teil 2

Im ersten Teil erläuterte QHJ-Autorin Laura Bäppler den Pferdekörper als System: als Netzwerk aus Zug und Druck, in dem Spannung nie nur an einer Stelle entsteht, sondern sich über das ganze Gewebe organisiert. Sie erläuterte, weshalb Bewegung so oft der Moment ist, in dem Muster sichtbar werden, sich aber auch verändern lassen.

Manche Bewegungsoptionen werden jedoch erst dann möglich, wenn der Körper gezielte Unterstützung bekommt. Genau hier entsteht die Brücke zwischen Therapie und Training. Nun geht es um das Zusammenspiel beider Perspektiven – und darum, warum biotensegrales Training an dieser Schnittstelle so wirksam werden kann.

Therapie und Training: zwei Perspektiven, ein Ziel
Therapie und Training verfolgen am Ende dasselbe Ziel: ein Pferd, das seinen Körper sicher, frei und tragfähig benutzen kann. Biotensegrales Training greift Impulse aus der Therapie auf, die auch im täglichen Training umgesetzt und sinnvoll genutzt werden können und führt sie dorthin, wo sie langfristig wirksam werden: in die Bewegung. Denn erst im Gehen, im Halten, in Übergängen, in Richtungswechseln und in wiederholbaren Mustern lernt der Körper, neue Bewegungsoptionen wirklich zu nutzen.
Training wird damit zur Integration – und genau hier liegt die besondere Qualität: Der Körper erlebt in Bewegung, wie sich eine veränderte Spannungsverteilung anfühlt, wie sie Balance beeinflusst und wie daraus Tragfähigkeit entstehen kann.
Für mich gehören Physiotherapie/Osteopathie und biotensegrales Training deshalb ganz selbstverständlich zusammen: Ideal sind eine gute therapeutische Grundlage, auf der das Training aufbaut und eine regelmäßige Nachkontrolle durch den Therapeuten, weil Training den Körper verändert und neue Muster wiederum neue Fragen öffnen können.

Die Basis: Druckverständnis und Loslassen
Damit biotensegrales Training wirklich sinnvoll funktionieren kann, braucht es eine Grundlage, die im ersten Moment unspektakulär wirkt und doch alles entscheidet: ein klares Druckverständnis. Gemeint ist damit, dass ein Pferd auf einen Impuls mit Nachgeben reagieren kann – mit Weichwerden, mit dem Gefühl von „ich lasse Spannung los“, statt mit Ausweichen oder Gegenspannung. Dieses Nachgeben ist keine Technik, die man dem Pferd abfordert, sondern eine Fähigkeit, die entsteht, wenn Impulse verständlich sind und das Pferd gelernt hat, dass Loslassen Sicherheit bedeutet.
Loslassen lässt sich beim Pferd oft sehr gut beobachten. Manche Pferde beginnen zu kauen oder zu schlucken, blinzeln häufiger, die Atmung wird tiefer und ruhiger, der Hals wird weicher, der Kopf darf sinken. Im Körper wird Bewegung runder, Übergänge wirken weniger kantig und manchmal sieht man ganz deutlich, wie der Brustkorb mehr schwingt und die Schritte wieder Raum bekommen. Diese Zeichen sind keine Showeffekte, sondern Hinweise darauf, dass der Körper den Impuls verarbeitet und Spannung neu organisiert.
Wichtig ist dabei auch, wie wir „Impuls“ verstehen. Ein Impuls kann eine Berührung mit der Hand sein, eine fein dosierte Druckrichtung, ein rhythmisches Einladen über kleine Bewegungen oder ein Hilfsmittel, das eine bestimmte Information klarer macht. Ein Impuls kann auch über Präsenz entstehen: über Raum, über Ausrichtung, über die Energie, mit der wir ein Pferd beim Führen oder Longieren begleiten. Entscheidend bleibt immer die Qualität: Der Impuls bietet Orientierung und das Pferd findet darin die Möglichkeit, weich zu werden. Erst dann macht es Sinn, diese neue Qualität in Bewegung mitzunehmen – weil der Körper dann nicht nur ausweicht, sondern wirklich lernt, sich anders zu organisieren.

Mobilisieren und stabilisieren zugleich
Hier beginnt die eigentliche Besonderheit des biotensegralen Trainings: Wir arbeiten…

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Text: Laura Bäppler, Foto: Heike Klar