Bewegung: Locker durch den Winter

Es gibt diese kleinen Momente, in denen wir spüren, dass etwas anders ist. Das Pferd kommt nach einer Ruhephase nicht ganz so locker aus der Box. Die ersten Schritte wirken etwas steif, das Antraben fällt schwerer als sonst oder das Pferd braucht länger, bis es sich entspannt und seinen natürlichen Bewegungsfluss findet. Gerade in den kalten Monaten häufen sich diese Fälle. Oft sind es keine großen Veränderungen – eher kleine Signale, die uns sagen: Schau genauer hin.

Pferde sind Bewegungstiere. Ihr gesamter Körper ist darauf ausgerichtet, sich über viele Stunden hinweg zu bewegen. In freier Natur suchen sie Futter und Wasser, wechseln ihre Plätze, bewegen sich innerhalb der Herde und legen dabei ganz selbstverständlich viele Kilometer zurück. Bewegung gehört zu ihrem Leben – und sie hält den gesamten Organismus in Balance.
Unser Zusammenleben mit dem Pferd hat diese natürlichen Abläufe verändert. Wir schenken unseren Pferden Schutz, Sicherheit, Futter und medizinische Versorgung. Gleichzeitig bestimmen wir aber auch, wann und wieviel sie sich bewegen. Je nach Haltung verbringen Pferde viele Stunden mit wenig Bewegung, um dann im Training in kürzester Zeit von null auf 100 zu schalten. Besonders im Winter kommen kürzere Weidezeiten, schlechtes Wetter oder eingeschränkte Auslaufmöglichkeiten hinzu. Und plötzlich wird aus einem natürlichen Bewegungsbedürfnis eine tägliche Herausforderung.

Der Körper braucht Bewegung
Muskeln möchten gebraucht und Gelenke möchten bewegt werden, Faszien möchten gleiten, Sehnen und Bänder müssen Belastung und Entlastung erfahren, um ihren Aufgaben gerecht werden zu können.
Regelmäßige Bewegung hält den Körper nicht nur leistungsfähig, sondern gibt ihm auch wichtige Reize. Sie unterstützt Balance und Koordination, fördert und fordert die Muskulatur und trägt dazu bei, Bewegungsabläufe geschmeidig zu erhalten.
Dabei muss Bewegung auch für das Pferd nicht immer Training bedeuten: Ein ausgedehnter Spaziergang, freies Bewegen im Auslauf, ein ruhiger Schrittausritt oder abwechslungsreiche Arbeit können ebenso wertvoll sein. Entscheidend ist, dass die Bewegung zum Pferd passt und regelmäßig stattfindet.
Gerade im Winter lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf den Alltag: Wie viele Stunden verbringt mein Pferd tatsächlich in Bewegung? Hat es Möglichkeiten, sich auch außerhalb des Trainings frei zu bewegen? Wie lange sind die Ruhephasen? Und wie fühlt sich mein Pferd an, wenn es nach einer Pause wieder losläuft?

Den ganzen Körper verstehen
Ein Pferd besteht nicht aus einzelnen Teilen, die unabhängig voneinander funktionieren. Bewegungsabläufe entstehen aus einem faszinierenden Zusammenspiel von Muskeln, Faszien, Gelenken, Sehnen, Bändern und Nervensystem. Verändert sich etwas an einer Stelle, kann dies Auswirkungen auf andere Bereiche haben.
Deshalb beginnt ganzheitliche Versorgung nicht erst bei der Behandlung eines Problems. Sie beginnt mit dem täglichen Beobachten.
Wie steht mein Pferd? Wie bewegt es sich? Wie sieht es beim Putzen aus? Gibt es Berührungen, denen es ausweicht? Wie leicht fällt ihm das Rückwärtsrichten? Wie fühlt sich der erste Schritt nach längerer Ruhe an? Ist es allgemein gut drauf?
Pferde sprechen selten mit großen Worten. Sie kommunizieren über Körpersprache und Verhalten. Wer sein Pferd kennt, bemerkt oft schon kleinste Veränderungen. Diese Aufmerksamkeit ist ein Geschenk – und gleichzeitig eine Verantwortung.

Wärme, Zeit und ein guter Start
Wenn draußen die Temperaturen sinken, verändert sich auch das Körpergefühl. Kalte Muskulatur braucht…

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Text: Friederike Fritz, Foto: Heike Klar